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Schöne neue Welt der Fonds

Wer sich über Fonds im Internet informieren will, taucht ab in eine bunte, virtuelle Welt. Viele Angebote sind hilfreich, doch wie im richtigen Leben gibt es auch dort einige Verwirrung um Zahlen und Fakten. Gerade im Umgang mit den beliebten Ranglisten im World Wide Web ist Vorsicht geboten.

Big Brother bei Investmentfonds: Die Direkt Anlage Bank hat nach eigener Aussage den ersten "gläsernen Fonds" Deutschlands aufgelegt. Unter www.investor-global-leaders.com können Anleger rund um die Uhr verfolgen, was der Fondsmanager so treibt. Ganz leicht ist das Glas zwar getrübt - die Deals werden erst mit ein, zwei Tagen Verspätung sichtbar. Außerdem bieten mittlerweile schon viele Fondsgesellschaften aktuelle Informationen über die Zusammensetzung ihrer Depots an. Trotzdem zeigt das Beispiel: Investmentfonds und Internet - beide passen hervorragend zusammen. Schließlich sind die Anleger darauf angewiesen, jederzeit möglichst genau zu wissen, wie gut ihre Produkte im Rennen liegen und was sie im Portfolio haben.
Kein Wunder, dass nicht nur die Fondsanbieter selbst das Web als virtuellen Marktplatz entdeckt haben. Es gibt auch immer mehr "neutrale" Anbieter von Informationen, von denen der eine oder andere allerdings auch selbst verschiedene Produkte der unterschiedlichen Investmentgesellschaften verkauft (siehe Kasten "Internet-Adressen).
Viele Anleger interessiert vor allem, welche Fonds in der Vergangenheit am besten abgeschnitten haben. Diese "Performancetabellen", finden sich inzwischen an vielen Stellen im Web. Wer sie vergleicht, reibt sich aber verwundert die Augen: Kaum zwei dieser Listen gleichen sich, auch wenn sie mit identischen Vorgaben abgefragt werden. Das hat mehrere Gründe. Zum einen ist die Qualität der Daten, auf denen die Listen beruhen, häufig alles andere als berauschend. "Bei jeder Fondsdatenbank gibt es Probleme", sagt Fritz Zerweck, Leiter der Fondsvermögensverwaltung Portfolio Concept in Köln. Er weiß, wovon er spricht - sein Haus arbeitet mit eigenen Daten, die auch im Internet zu sehen sind. "Am liebsten bekommen wir sie von den Fondsgesellschaften selbst", sagt er. "Aber das ist nicht immer möglich." Bei ausländischen Fonds gebe es oft Probleme.
Die wenigsten Web-Sites zeigen plakativ, woher sie ihre Infos haben. Manche übernehmen einfach das komplette Zahlenmaterial eines großen Anbieters wie zum Beispiel der Direkt-Broker Consors, der für seinen Fondsbereich auf Standard & Poor?s zurückgreift, während fondscheck.de seine Daten vom WM-Datenservice bezieht. Das bedeutet: Die Zahlenbasis für die Sucheingaben und Performancedaten ist uneinheitlich, die Ergebnisse folglich auch. "Der Privatanleger sollte sich beim Anbieter erkundigen, wie viele Fonds er analysiert, sonst entsteht leicht eine Informationslücke. Im schlechtesten Fall fehlt sonst der beste Fonds in der ausgesuchten Anlagekategorie", erläutert Uli Knöss, Leiter Daten und Medien bei Standard & Poor?s Fund Services, der rund 5 000 Fonds beobachtet.
Aber selbst wenn verschiedene Anbieter identische Daten zeigen, heißt das noch lange nicht, dass diese hundertprozentig stimmen - vielleicht haben alle einfach denselben Fehler übernommen. Denn die Datenpflege läuft heute bei den meisten Web-Diensten zu 90 Prozent automatisiert. Übermittelt eine Fondsgesellschaft eine falsche Kursinformation, multipliziert sich der Fehler. Und: "Viele Gesellschaften liefern qualitative Daten noch auf Papier, Verkaufsprospekte müssen weitestgehend per Hand eingegeben werden", sagt Thomas Bückemeyer, der bei fondscheck.de den Web-Auftritt betreut. Hinzu kommen zeitliche Verzögerungen, denn die Angaben zur Länder- oder Branchenallokation kämen von vielen Gesellschaften vielfach nur vierteljährlich, wobei aber eine monatliche Aktualisierung wünschenswert wäre, erklärt Bückemeyer.
Ein anderes Problem ist die Abgrenzung. Gehört zum Beispiel ein Fonds, der überwiegend deutsche Aktien kauft, aber auch ein paar Titel aus anderen europäischen Ländern dazu mischt, in die Tabelle der deutschen oder die der europäischen Aktienfonds? Manchmal gibt es keine klare Grenzlinie, und so landet der Fonds mal im einen, dann wieder im anderen Fach. Zum Teil enthalten diese Schubladen aber auch gefährlichen Unsinn. Wer zum Beispiel bei onvista den Vergleich weltweit anlegender Aktienfonds aufruft, findet auf den vordersten Rängen einen Fonds von Activest, der auf Biotech und Pharma spezialisiert ist. Statt eines breit streuenden Produkts mit gutem Risikoausgleich wird der Investor also an einen spezialisierten und entsprechend spekulativen Fonds herangeführt.
Ein ähnliches Problem findet sich übrigens bei manchen Vergleichslisten von Schwellenländerfonds (Emerging Markets): Oft werden dort alle Aktienfonds, die in Schwellenländern investieren, zusammengefasst - solche die weltweit streuen ebenso wie spezialisierte Produkte für eine Region oder sogar nur ein Land. Auch in diesem Fall werden Äpfel mit Birnen verglichen.
Fraglich ist auch, ob Listen mit den meist verkauften Fonds - wie etwa unter finanzscout24.de - eine gute Orientierung darstellen. Denn Anfang dieser Woche stand dort der nordasia.com von Nordinvest an der Spitze. Er investiert in asiatische Unternehmen, die im Internet ihr Glück versuchen. Ein Produkt mit höchstem Risiko also, worauf aber nicht prominent hingewiesen wird. Fazit: Bevor der Anleger ein Produkt kauft, sollte er sich in jedem Fall ein Fondsporträt anschauen (z.B bei fondsweb.de).
Die bekanntesten Anbieter von Fondsdaten sind Feri Trust und S & P. Dabei zeigt Feri Trust auf seiner Homepage immer nur ausgewählte Kategorien an - der größte Teil der Datenbank bleibt unter Verschluss, was auch durch die (kostenlose) Registrierung nicht zu umgehen ist (Handelsblatt-Leser finden die Tabellen wechselnd auf der Fondsseite und ab Montag auch in Handelsblatt.com). Bei S & P hingegen kann sich der Anleger mit einiger Geduld zu praktisch allen Anlagekategorien durchfinden. Dabei sollte man möglichst genaue Vorstellungen haben. "Je mehr Filter der Investor im Netz einsetzt, umso genauer wird das Ergebnis ausfallen", so Knöss.
Die Web-Sites sind aber nicht nur wegen der Tabellen, sondern auch für Zusatzinfos ergiebig. Fondsweb und Fondsworld etwa haben interessante Kapitel über die Besteuerung von Fonds in ihr Angebot eingestellt. Allerdings werden solche Artikel nicht immer frisch gehalten. Bei der Direktbank Consors haben die Steuerinformationen den "Stand August 1999". Das Internet, das schnellste Medium, kann auch ganz schön langsam sein.

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