"Schöner Lohn der Hinrunde"
Toppmöllers neue Bescheidenheit

Mit der Herbstmeisterschaft hat Klaus Toppmöller so seine Erfahrungen - allerdings keine guten.

Als Trainer von Eintracht Frankfurt hatte er 1993 den Halbzeittitel bereits zwei Spieltage vor Ende der Hinrunde gesichert, klopfte dicke Sprüche auf Kosten des Abo-Favoriten aus München ("Bye bye, Bayern") und war siegessicher wie einst Thomas Haffa. Am Saisonende schaffte Frankfurt mit Mühe Platz fünf - ohne Toppmöller.

Der war nach einem beispiellosen Absturz in der Rückrunde längst gefeuert. Toppmöller verabschiedete sich vom Spitzenfußball und leitete anschließend die Übungen beim VfL Bochum und dem 1. FC Saarbrücken. Seit Saisonbeginn ist Toppmöller auch wieder Toptrainer, nun bei Bayer Leverkusen. Seit Samstag ist er wieder Herbstmeister, diesmal ohne dicke Lippe. "Es ist ein schöner Lohn für die Hinrunde", sagt er bescheiden während der Presserunde nach dem Spiel.

Als sein Berliner Kollege Jürgen Röber danach das Spiel analysiert, hockt Toppi wie ausgestopft auf seinem Stuhl und starrt entrückt ins Leere. Er zeigt auch keine Regung, als Röber sagt: "Wenn man sieht, wie die in der zweiten Halbzeit zum Teil Fußball zelebrieren, dann stehen die zurecht da." Der Berliner meint tatsächlich das Team aus Leverkusen, gegen das seine Hertha gerade mit 2:1 gewonnen hat.

Vielleicht hat Röber nicht besonders gut sehen können, nachdem er Mitte der zweiten Hälfte wegen Meckerns seine Bank verlassen musste. Eigentlich sollte er auf die Tribüne - aber, mit einem Ordnerjäckchen getarnt, lungerte er weiter im Innenraum herum. Wer so Fußball zelebriert wie Leverkusen in der zweiten Halbzeit, schafft vielleicht den UI-Cup. Die Torfabrik der Liga spielte Murks und verstümperte ihre Chancen. Das Toreschießen überließen die Leverkusener nach ihrem zwischenzeitlichen 1:1 durch Oliver Neuville (37.) den Berlinern; Pal Dardai erzielte in der 62. Minute den Siegtreffer.

Wenn es darum geht Titelchancen zu verspielen, können die Leverkusener offensichtlich ungeahnte Kräfte mobilisieren. Hätte Dortmund in Bremen gewonnen - mit der Niederlage in Berlin wäre auch die erste Herbstmeisterschaft vergeigt worden. So wie vor zwei Jahren der erste komplette Meistertitel. Und es wäre Essig gewesen mit Toppmöllers "schönem Lohn für die Hinrunde". Die Bayer-Spieler brachten den Gegner mit haarsträubenden Fehlpässen in Position. Vor dem 1:0 für Hertha (18.) durch Andreas Neuendorf trat der zudem sonst überzuverlässige Verteidiger Lucio an einem langen Ball vorbei.

Seine Mannschaft habe es versäumt, den zweiten Treffer zu machen, klagte Röber anschließend. Das stimmt, Einladungen der Leverkusener gab es genug. Anders als in vielen Spielen zuvor schafften es die Rheinländer diesmal nicht, einen Rückstand noch umzudrehen. Vielleicht weil es mal wieder um etwas ging, und sei es nur die Herbstmeisterschaft. "Man muss vor jedem Gegner Respekt haben", mahnte Toppmöller vor dem nächsten Spiel in Wolfsburg. Den Respekt vor Titeln sollte sich Leverkusen besser schenken. Sonst heißt es am Ende noch "Bye bye, Bayer".

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%