"Schönheitswettbewerb" statt Versteigerung
Telekom geht bei UMTS-Vergabe in Schweden leer aus

Die Deutsche Telekom ist am Samstag bei der Vergabe der UMTS-Mobilfunklizenzen in Schweden leer ausgegangen. Auch die Bewerbung der staatlichen Telekom-Gesellschaft Telia blieb überraschend ohne Erfolg. Den Zuschlag erhielten nach Angaben der staatlichen Behörde für Post und Telekommunikation (PTS) in Stockholm vier Konsortien, die jeweils eine Lizenz bekommen.

Reuters STOCKHOLM. Erfolgreich waren die beiden derzeitigen einheimischen GSM-Mobilfunkbetreiber NetCom und die von der britischen Vodafone kontrollierte Europolitan Holdings sowie die France-Telecom-Tochter Orange. Eine weitere Lizenz bekommt das Konsortium HI3G Access aus der Industrieholding Investor und Hutchison Whampoa. Beworben hatten sich zehn Gruppen aus insgesamt 30 Unternehmen.

Die Deutsche Telekom hatte sich über ihre Tochtergesellschaft T International-Mobile beteiligt, die gemeinsam mit ABB und dem Telekommunikationsanbieter Utfors ein Konsortium gebildet hatte. An dem Gemeinschaftsunternehmen mit dem Namen "Mobility4Sweden" hält ABB 26 %, Utfors 29 % und die Deutsche Telekom 45 %. Nach Angaben eines T-Mobile-Sprechers beanstandete die schwedische PTS "fehlende finanzielle Kapazitäten" bei dem Konsortium. "Das hat uns gewundert, schließlich ist ABB auch kein kleines Unternehmen", sagte der Sprecher. T-Mobile sehe nach derzeitigem Stand der Dinge aber "keine Veranlassung, vor Gericht zu gehen".

Telia dagegen kündigte Einspruch gegen die Entscheidung der PTS an. Konzernchefin Marianne Nivert kritisierte, es sei "sehr sonderbar", dass die staatliche Telekommunikationsbehörde den führenden schwedischen Mobilfunk-Betreiber offenbar "nicht für würdig" halte, eine UMTS-Lizenz zu bekommen. PTS-Chef Nils Gunnar Billinger sagte dagegen auf einer Pressekonferenz, seine Behörde habe zahlreiche Mängel in der Telia-Bewerbung entdeckt, etwa bei der geographischen Abdeckung. So müsste das Unternehmen beispielsweise die Zahl seiner zur Datenübertragung notwendigen Basis-Stationen um das Dreifache dessen steigern, was es bislang geplant habe.

Zu den Gewinnern der Vergabe gehören ferner Skanska, NTL und Schibsted, die sich im Konsortium von Orange beworben hatten, sowie die Societe Europeene de Communication (SEC), die gemeinsam mit NetCom die Bewerbergruppe Tele2 bildete. Auf der Verliererseite stehen demgegenüber außerdem das Konsortium Telenordia von British Telecom und Telenor, das Konsortium Tenora Networks aus Nomura und Ratos, das Konsortium Broadwave aus Tele 1 Europe, Western Wireless und mehreren kleineren Firmen sowie die Partner Sonera, Telefonica und Sydkraft.

Anders als in Deutschland oder Großbritannien wurden die begehrten UMTS-Lizenzen in Schweden nicht im Wege einer Auktion vergeben. Die Skandinavier nahmen sich vielmehr ein Vorbild an Frankreich, Finnland sowie Spanien und vergaben die Lizenzen gegen eine eine Gebühr von knapp 11 000 $ (24 000 DM) und eine jährliche Umsatzbeteiligung im Promillebereich. Bei dem auch als "Schönheitswettbewerb" bezeichneten Vergabeverfahren wurden die Angebote der interessierten Unternehmensgruppen anhand ihrer Finanzkraft sowie nach technologischen und kommerziellen Gesichtspunkten beurteilt.

Der neue Mobilfunkstandard UMTS soll eine schnellere Datenübertragung über Handys ermöglichen und Mobilfunkgeräte zu alltäglichen multimedialen Arbeitsmitteln machen.

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