Scholl empfiehlt sich für DFB-Elf – und verletzt sich erneut
Brilliant bis zum nächsten Bruch

Mehmet Scholl ist 34, und, so viel ist abzusehen, noch in diesem Jahrzehnt wird der Tag kommen, an dem er abtreten wird von der großen Fußballbühne. Fernsehteams werden sich damit beschäftigen, seine Karriere in Bildern nachzuerzählen. Die Bilder der letzten Woche stehen exemplarisch für seine Karriere.

HB MÜNCHEN. Am Dienstag beim 5:1 in der Champions League gegen Tel Aviv lieferte Scholl ein grandioses Spiel ab, er wirbelte, trickste, spielte ideenreich wie es kaum ein anderer deutscher Mittelfeldspieler seiner Generation konnte; am Mittwoch hob die Diskussion an, die sich mit dem Nationalspieler Scholl beschäftigte; und, das gehört bei Scholl ebenfalls dazu, am Samstag schoss er beim 4:2 gegen Mainz 05 ein Tor und verletzte sich. Zusammenprall, Jochbein- und Augenhöhlenbodenbruch, Ende der Vorrunde.

An der Antwort auf die Frage, inwiefern Mehmet Scholl der deutschen Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land weiterhelfen könne, ändert sich dadurch freilich nichts. Zur Rückrunde wird Scholl wieder fit sein, und irgendwann wird Jürgen Klinsmann vermutlich wieder einen Satz sagen wie jenen, mit dem er am Freitag die medialen Spekulationen aufgewertet hatte: "Wenn Mehmet permanent Spiele als Joker rumreißt, ist er auch ein Thema für die WM 2006", hatte sich der Bundestrainer von "Bild" zitieren lassen, wiewohl mit dem Hinweis, dass man mit einer Entscheidung "noch Zeit bis zur WM" habe. Aber: "Ich freue mich über seine tollen Auftritte, weil er ein Instinktfußballer ist, der immer für Überraschungen sorgen kann."

Nach dem Sieg gegen Mainz hatte sich Scholl erstmals zu dem Thema geäußert: "Diese Spekulationen kommen nicht von mir, und sie sollen eigentlich auch aufhören." Eigentlich, das klang weniger endgültig, als es in der Vergangenheit der Fall war. "Da habe ich im Moment überhaupt nichts verloren", ergänzte Scholl, "wenn die WM in zwei Jahren ist, dann bin ich noch mal anderthalb Jahre älter. Also, schneller werde ich nicht mehr." Er hatte zu diesem Zeitpunkt noch keine Ahnung, wie schlimm seine Verletzung war, die er sich bei einem Zusammenprall mit Jürgen Kramny zugezogen hatte. Fast schien es, als sollte sie beweisen, wie berechtigt seine Skepsis ist.

2002 hatte Scholl seinen Rücktritt aus der Nationalelf annonciert, nach 36 Spielen und acht Toren. Viele interpretierten das als zu mickrige Bilanz gemessen an Scholls fußballerischer Qualität, nicht ein Mal hatte der geniale Techniker sein Land bei einer WM vertreten. Doch schon damals konnte Scholl selten mehrere Spiele in Folge absolvieren. Nach einer Bandscheibenoperation im vergangenen Jahr hat er nun erstmals seit März 2003 mehr als zwei Partien hintereinander bestritten.

Um Geduld bat daher auch Uli Hoeneß. Der Manager ist so etwas wie ein väterlicher Freund von Scholl, über Vertragsverlängerungen haben sich die beiden stets ohne Berater geeinigt, voraussichtlich werden sie das demnächst wieder tun. "Mehmet ist ein Spieler, den man auch vier Wochen vor der WM einbauen kann, der braucht keine lange Anlaufzeit", sagte Hoeneß. Auf langfristige Planungen sollte Klinsmann besser verzichten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%