Scholl fürchtet WM-Aus
Völler tröstet Scholl mit WM-Freifahrtschein

60 Tage vor dem ersten WM-Spiel der deutschen Nationalmannschaft bangt Pechvogel Mehmet Scholl um seine letzte Weltmeisterschafts-Chance. Im Wettlauf mit der Zeit muss der von immer neuen Verletzungen gestoppte und genervte Fußball-Profi des FC Bayern München womöglich zum dritten Mal in seiner Karriere ein bitteres WM-Aus befürchten.

dpa MüNCHEN. Nach der erneuten Blessur vom Wochenende verpasst der 31-Jährige vermutlich auch das letzte Länderspiel vor der Nominierung des WM-Kaders, die Partie am 17. April in Stuttgart gegen Argentinien. Aber noch will DFB-Teamchef Rudi Völler die Sorge um den Kreativkünstler nicht dramatisieren. "Das ist ein kleiner Rückschlag. Trotzdem geht es irgendwie weiter", sagte der Teamchef am Dienstag der dpa.

Scholl, der noch nie bei einer WM war, kann sich damit trösten, dass der DFB-Teamchef bis zuletzt auf ihn zählt, selbst wenn er zum Zeitpunkt der Nominierung am 6. Mai nicht fit sein sollte. "Logisch", antwortete Völler am Dienstag auf die Frage, ob er dem 36-maligen Nationalspieler auch bei nur noch sporadischen Einsätzen in den kommenden Wochen einen Platz in seinem 23-köpfigen WM-Kader frei halten werde. Schon 1994 und 1998 hatte Scholl eine WM-Endrunde haarscharf verpasst. "Man kann sich vorstellen, wie ich mich zwei Mal als 23. Mann fühlte. Jetzt freue ich mich darauf, diese WM im Sommer zu spielen", hatte Scholl während des Winter-Trainingslagers der Bayern in Spanien zum Thema WM-Teilnahme erklärt.

Überall wird der Techniker, dessen Karriere von Verletzungen begleitet wird, schmerzlich vermisst. Aber am schlimmsten ist es für ihn selbst. "Das ist ein herber Rückschlag für ihn persönlich und für Bayern München", meinte Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld vor den beiden Viertelfinal-Spielen der Champions League gegen Real Madrid, bei denen Scholl tatenlos zusehen muss. Gegen Real fehle er besonders, meinte Karl-Heinz Rummenigge: "Er kann durch seine Dribblings und sein individuelles Spiel eine Partie alleine entscheiden."

Kurze Abstände zwischen den Blessuren

Beobachtern gibt Scholls Gesundheit Rätsel auf. Die Abstände zwischen den Blessuren werden immer kürzer. Vielleicht wollte er nach der jüngsten Pause zu schnell zu viel. Völler hätte Verständnis dafür: "Klar sagen alle: Er muss Geduld haben. Aber ich kenne das aus meiner eigenen Karriere. Man schaut in seinen eigenen Körper hinein. Irgendwann kriegt man "Grünes Licht" von Ärzten und Physiotherapeuten. Es gibt keine hundertprozentige Weisheit", sagte der Ex-Profi.

In dieser Saison fehlte Scholl nach einer Sprunggelenksoperation in der Hinrunde Monate lang. "Dann war er wieder gut drauf", fand Völler. Anfang März zwang ihn ein Muskelfaserriss zum Aussetzen, dann folgte ein "leichter Bandscheibenvorfall". Am Samstag wagte Scholl ein Comeback, doch nur wenige Minuten nach der Einwechslung musste er in Hamburg wieder vom Platz - eine Zerrung. "Das kommt vom Rücken. Solche Sachen strahlen immer in die Beine", so Manager Uli Hoeneß.

Völler braucht einen fitten Scholl dringend. Denn auch Offensiv- Kollege Sebastian Deisler hat nach seiner Knieoperation gerade erst sein Comeback nach langer Pause gegeben. Rekonvaleszent Marko Rehmer und Bayern-Kollege Jens Jeremies haben ebenfalls schwere Verletzungen hinter sich. Aber wahrscheinlich wünscht sich keiner die WM so sehr wie Scholl, der seit Ende März 2001 nur ein Länderspiel (13. Februar 2002 gegen Israel) bestreiten konnte. "Es ist doch eigentlich unglaublich, dass ein Spieler von seiner Klasse noch keine WM gespielt hat", stellte Völler vor längerer Zeit erschreckt fest.

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