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Scholls Verletzung trübt Bayerns „Super-Woche“

Die Torfabrik des FC Bayern München arbeitet weiter auf vollen Touren und wird für ihre ungebremste Produktion wohl mit der inoffiziellen Herbstmeisterschaft belohnt.

dpa MÜNCHEN. Die Torfabrik des FC Bayern München arbeitet weiter auf vollen Touren und wird für ihre ungebremste Produktion wohl mit der inoffiziellen Herbstmeisterschaft belohnt.

Mit dem 4:2 (3:0)-Erfolg gegen die Spaß-Kicker des FSV Mainz 05 festigte der Rekordmeister am 15. Bundesliga-Spieltag nicht nur die eine Woche zuvor eroberte Tabellenführung, sondern bot seinen Anhängern vier Tage nach der 5:1-Gala in der Champions League gegen Maccabi Tel Aviv das nächste Fußball-Spektakel. "Das war eine Super-Woche für uns", frohlockte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge: "Wir haben sehr gut gespielt und die Fans sehr gut unterhalten. Alle sind zufrieden."

Als Rummenigge das sagte, ahnte keiner, dass sich der endlich wieder wie zu besten Zeiten wirbelnde Mehmet Scholl erneut schwer verletzt hat und für den Rest der Hinrunde ausfällt, dass sich der 34-Jährige bei einem Zusammenprall mit Gegenspieler Jürgen Kramny (24.) einen Jochbeinbruch und eine Augenhöhlenbodenfraktur zugezogen hatte. Der auch von Trainer Felix Magath zunächst verkündete doppelte Kieferbruch bestätigte sich zum Glück nicht. Scholl spielte trotz Schmerzen durch, erzielte sogar ein Tor und brach nach dem Abpfiff extra für eine Beendigung der Spekulationen um eine Rückkehr in die Nationalmannschaft sein langes Schweigen. "Die Spekulationen sollen aufhören. Wenn ich sage, es ist Schluss, dann ist Schluss", sagte der Europameister von 1996.

Nicht nur der Scholl-Schock trübte die Freude von Magath. Der Bayern-Trainer hob zwar den "Unterhaltungswert" der 90 Minuten für die 49 000 Zuschauer im Olympiastadion hervor. Doch trotz der vier Treffer von Claudio Pizarro (14.), Scholl (35.), Roy Makaay (45.) und Michael Ballack (88.) bemängelte er die Chancenverwertung im Angriff und die Sorglosigkeit in der Abwehr, die zu den späten Gegentreffern von Christof Babatz (84.) und Claudius Weber (90.) führte. "Es ist ein Unterschied, ob ich etwas aus Spaß mache oder professionell. Ein Spieler des FC Bayern sollte wissen, dass es auch ein Torverhältnis gibt", meinte Magath: "Als Profi darf ich keine Gefühle haben. Da muss ich immer spielen, als wenn es 0:0 steht."

Sechs Pflichtspielsiege hintereinander mit insgesamt 21 Toren (mindestens drei pro Spiel) sind jedoch Ausdruck der perfekten Welle, auf der die Bayern in Richtung Winterpause treiben. "Die Automatismen werden immer besser", lobte Manager Uli Hoeneß, und Nationalspieler Michael Ballack ließ die Verfolger selbstbewusst wissen: "Jetzt sind wir ganz oben, und da lassen wir uns so schnell nicht vertreiben."

Den Schlüssel des Erfolgs sieht Scholl im wieder entdeckten Teamgeist, der trotz des harten Konkurrenzkampfes herrsche. "Jeder gönnt dem anderen, dass etwas gut läuft", sagte der dienstälteste Bayern-Profi über das respektvolle Miteinander. So leistete Ballack für ihn im Mittelfeld klaglos die Drecksarbeit, und Torjäger Makaay legte Scholl den Ball beim zweiten Tor uneigennützig auf.

Bei allen drei Treffern vor der Pause schlugen die Bayern in erster Linie Kapital aus dem riskanten Mainzer Spiel auf Abseits. "Wir haben drei Fehler gemacht und sind dafür brutal bestraft worden", meinte Torhüter Dimo Wache, der mit tollen Reflexen sowie mit Hilfe von Latte und Pfosten ein mögliches Debakel verhinderte. Trainer Jürgen Klopp sprach von "engen Abseitsentscheidungen" und kündigte an: "An unserer Art zu spielen, werden wir nichts ändern."

Auch die Marschroute, nicht zu mauern, sondern immer weiter mitzuspielen, behielt der Aufsteiger konsequent bei. Lohn waren die späten Tore gegen Bayerns Ersatztorhüter Michael Rensing, der zur Pause für den am Finger verletzten Oliver Kahn gekommen war. Die rund 7 000 Mainzer Fans feierten trotz der Niederlage ihr Team, das sich nach Ansicht von Klopp unter Wert verkauft hatte: "Wir haben nur eine halbe Stunde Fußball gespielt. In der ersten Viertelstunde, weil wir gut waren, und in der letzten, weil uns die Bayern gelassen haben."

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