Schon der Ablauf der Bewegungen ist Meditation
Der Teeweg ist das Ziel

Die komplizierte japanische Tee-Zeremonie vermittelt das Gefühl der Einheit zwischen Gast und Gastgeber.

Der Weg zum Teeweg führt durch Waschbeton - und von dort in eine andere Welt. Wer sich auf diesen Pfad der reinen Ästhetik begibt, scheut nicht das graue Einkaufszentrum, lässt das Gesundheitsversprechen einer Apotheke und die Glücksverheißung einer Lotto-Annahmestelle links liegen. Doch vor der Klarheit hinter der Glastür gibt es Hindernisse. Eine Wand aus Holz und Bambus versperrt den Weg. Weiter geht es nur nach einer Verneigung vor einer niedrigen Pforte aus dunklen Brettern, die auf Socken durchschritten werden will. Die gebückte Haltung beweist Bescheidenheit - die richtige Geisteshaltung gegenüber einer schlichten Schale Tee.

In einem ehemaligen Laden steht etwas erhöht das eigentliche Teehaus, ein würfelförmiger Mikrokosmos aus Holz und Lehm. Darin knien ein Meister und vier Lernende, drei Männer und eine Frau, auf Schilfgras-Matten.

Teemeister Gerhardt Staufenbiel vom Teeweg-Verein Nürnberg, mit einigen grauen Haaren und kleinem Bierbauch, trägt zum japanischen Überwurf Jeans. So einen gemütlichen Deutschen hätte man hier nicht erwartet, aber die Schülerin zollt dem Meister höchsten Respekt. "Ein Deutscher kann ebenso gut den Teeweg lehren wie ein Japaner, bei ihm fühle ich mich gut aufgehoben", sagt die Japanerin, die schon lange in Deutschland lebt.

Staufenbiel hat in den 70er-Jahren bei dem japanischen Vertreter einer Teeschule angefangen, seinen Teeweg zu gehen. 1972 schenkte diese Teeschule München ein authentisches Teehaus - mit Lehrer.

In Nürnberg übt der Elektro-Ingenieur Manfred Volke den Ablauf für "dicken Tee": Er gießt heißes Wasser mit einer Bambuskelle in die Teeschale. Süß-bitterer Duft steigt auf und hüllt die Teegesellschaft ein. Volke will mit einer Bürste aus Bambusfasern das Wasser in der Teeschale mit pulverisiertem Grüntee verrühren. "So nicht!" unterbricht ihn der Meister. Der Schüler hat den falschen Weg gewählt, den Quirl nicht in der richtigen Richtung bewegt. Staufenbiel zeigt ihm, welches Muster er auf den Boden der Schale zeichnen muss.

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