Schon eine Vielzahl von Abmahnungen
Rennen um Riester-Rente im vollen Gange

Zwei Monate nach der Verabschiedung der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge ist das Rennen der Anbieter von Vorsorgeprodukten um die Kunden im vollen Gange. Verbraucherschützer wie Versicherungsbranche bestätigen, dass im Wettbewerb um das lukrative Geschäft die Grenzen des Erlaubten von schwarzen Schafen auch überschritten werden. Bundesarbeitsminister Walter Riester (SPD) wird deshalb nicht müde, die Verbraucher darauf hinzuweisen, dass sie für ihre Entscheidung für eine private Form der Altersvorsorge noch jede Menge Zeit haben.

Reuters BERLIN. Die staatliche Zertifizierung der Vorsorgeangebote, sozusagen Riesters TÜV zur Riester-Rente, greift erst im nächsten Jahr, die staatlichen Zulagen gibt es erst dann. Die Zertifizierungsbehörde ist zurzeit noch im Aufbau. Dennoch stellt das Arbeitsministerium fest, dass auf potenzielle Kunden teilweise jetzt schon Druck ausgeübt wird. "Ganz offensichtlich wird in einzelnen Fällen ziemlich unlauter mit den Leuten umgesprungen", sagt Ministeriumssprecher Klaus Vater. "Viele werden überspült mit Infomaterial und werden gedrängt abzuschließen." Es habe schon Berichte über Versicherungsagenten gegeben, die sich als Vertreter der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA) ausgegeben hätten.

BfA-Pressereferentin Renate Thiemann berichtet von um sich greifender Verunsicherung der Verbraucher und steigendem Beratungsbedarf. "Es gibt Vertreter, die sagen, Sie haben keine Zeit mehr, Sie verlieren Geld." Die Empfehlung der BfA laute aber: "Wir sagen unseren Versicherten immer: Ihr habt Zeit."

Auf bis zu 20 Millionen Kunden wird der neue Markt geschätzt, auch wenn das Arbeitsministerium damit rechnet, dass möglicherweise nur 70 % aller Berechtigten die Vorsorgeförderung in Anspruch nehmen werden. Mit der locken die Anbieter jetzt schon. "Da wird zum Beispiel ein Formular für den Verbraucher angeboten, wo groß drauf steht: 'Antrag auf Riester-Förderung'", berichtet Carlos Mari vom Bundesverband der Verbraucherzentralen. Der Kampf um die Marktanteile ist nach seinen Beobachtungen voll entbrannt: "Es gibt angeblich schon Versicherungen, die bis zu 80 000 Verträge abgeschlossen haben."

Maris Organisation hat nach seinen Angaben bereits eine Reihe von Abmahnungen ausgesprochen. Auch Klagen auf einstweilige Verfügungen habe es gegeben. Die Verbraucherschützer monieren, dass Anbieter damit würben, ihre Produkte würden auf jeden Fall noch an die Zertifizierung angepasst, wenn sich das als nötig herausstelle. "Das halten wir für unlauter", sagt Mari. Es bestehe schließlich die Möglichkeit, dass dafür dann noch einmal Bearbeitungsgebühren erhoben würden. Unklar sei außerdem, ob bereits bestehende Anlageverträge kostenfrei auf die neuen Bedingungen umgeschrieben würden.

Gabriele Hoffmann vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) bestätigt, dass es schon zu einigen Abmahnungen gekommen sei. Sie betont, dass die Branche nicht unvorbereitet in den neuen Markt gehe: "Die Versicherungswirtschaft ist nicht wie die Jungfrau zum Kind zu diesem Gesetz gekommen." Daher seien Unternehmen der Auffassung, zertifizierungsfähige Produkte entwickelt zu haben.

Lebensversicherer zum Beispiel hätten sich schon immer auch als Altersvorsorger verstanden, gibt Hoffmann zu bedenken. Es sei wahrscheinlich, dass Unternehmen aus dieser Sparte die bekannte Renditegarantie für Lebensversicherungen von derzeit 3,25 % auf ihre "Riester-Produkte" übertragen würden. Fondsgebundene Rentenversicherungen dürften hingegen eher nur die Mindestanforderung einer Garantie des eingezahlten Kapitals erfüllen, könnten aber auch mit der Chance höherer Renditen locken. Es seien bereits pfiffige Mischformen beider Modelle absehbar. "Das ist ein Produkt- und Know-how-Wettbewerb", sagt Hoffmann. Natürlich müsse sich nicht heute und morgen jeder entscheiden. Aber: "Man kann nicht einen Markt so lange anhalten, bis der letzte Pensionsfonds gegründet ist.

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