Schon Gelsenberg-Übernahme verboten
Kartellamt untersagt Eon Ruhrgas-Übernahme

Das Bundeskartellamt hat sich erneut den Plänen des Energiekonzerns Eon zur Übernahme der Ruhrgas AG in den Weg gestellt. In einem zweiten Kartellverfahren untersagten die Wettbewerbshüter am Donnerstag dem Energieversorger noch einmal ausdrücklich, die Mehrheit bei Deutschlands führendem Gasversorger zu übernehmen.

wiwo/ap BONN. "Der Zusammenschluss würde zu einer weiteren Verstärkung marktbeherrschender Stellungen auf den Gas- und Strommärkten führen", warnte Kartellamtspräsident Ulf Böge.

Bereits am 17.Januar hatten die Wettbewerbshüter Eon den Einstieg bei dem Gasversorger untersagt. Damals war es um eine Minderheitsbeteiligung gegangen, die Eon vom Mineralölkonzerns BP übernehmen wollte. Im Mittelpunkt des zweiten Verfahrens stand jetzt die Übernahme der Mehrheit an der Ruhrgas AG. Dazu will Eon die Essener Bergemann GmbH übernehmen, in der der Bergbaukonzern RAG, Thyssen-Krupp, RWE und Vodafone ihre Ruhrgasanteile gebündelt haben. "Die negativen Auswirkungen auf den Wettbewerb und die Verbraucher wären in qualitativer und quantitativer Hinsicht noch gravierender", warnte Böge vor den Kaufplänen.

Die Entscheidung der Wettbewerbshüter kam allerdings nicht überraschend. Eon hatte bereits vor gut einer Woche eine Ministererlaubnis für seine Ruhrgaspläne beantragt, um das erste Veto des Kartellamtes zu umgehen. Ein Konzern-Sprecher sagte, nun werde ein weiterer Antrag für die jetzt untersagten Übernahmepläne folgen.

Eon kämpft mit langem Atem um Ruhrgas

Die Ruhrgas AG dominiert mit einem Marktanteil von 60 Prozent das Ferngas-Geschäft in Deutschland. Eon hat durch seine Beteiligung an Regionalversorgern einen Marktanteil von 38 Prozent im Endkunden-Geschäft. Selbst bei einer Ministererlaubnis müssten die Unternehmen nach Expertenmeinung deshalb wohl mit erheblichen Auflagen rechnen.

Lange Zeit galt Ruhrgas durch seine verschachtelte Beteiligungskonstruktion, an der unter anderem die Mineralölkonzerne Exxon, Shell und BP, sowie die Ruhrkonzerne RWE, Thyssen-Krupp, RAG und Gelsenberg beteiligt waren, als gut gesichert gegen Übernahmen. Doch gelang es Eon-Chef Ulrich Hartmann mit langem Atem, seine Pläne für eine freundliche Übernahme immer weiter voranzutreiben. Zuletzt hatte er BP beim Verkauf von Veba-Oel und der größten deutschen Tankstellenkette Aral im Gegenzug dessen Ruhrgas-Anteile abgehandelt.

Die Übernahme der Bergemann GmbH würde Eon zusammen mit den von der BP zugesagten Anteilen eine Mehrheit von rund 60 Prozent bei dem Gasversorger sichern. Allerdings ist die Übernahme - auch ungeachtet der Kartellamts-Bedenken - noch nicht gelaufen. Zwar hat Eon bereits einen Vertrag zur Übernahme der Vodafone-Anteile in der Tasche und eine Option auf die RWE-Beteiligung. Doch gibt es mit Thyssen-Krupp bislang nur ein "Einverständnis" und bei der RAG, die die Mehrheit an Bergemann hält, laufen die Verhandlungen noch. Das Bundeswirtschaftsministerium will im Juni über die Elefantenhochzeit auf dem deutschen Energiemarkt entscheiden.

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