Schon jetzt großes Interesse an WM 2006
Nach der WM ist vor der WM

Obwohl zwischen dem Abpfiff in Yokohama und dem Anpfiff der ersten Partie des Turniers im eigenen Land noch 1 439 Tage liegen, richten sich schon jetzt alle Augen auf die WM 2006.

fsp/thy DÜSSELDORF. "Nach dem Spiel ist vor dem Spiel." Dieser Satz von Trainer-Legende Sepp Herberger gilt auch für die Macher der alle vier Jahre stattfindenden Fußball-Festspiele. "Nach der WM ist vor der WM." Und obwohl zwischen dem Abpfiff in Yokohama und dem Anpfiff der ersten Partie des Turniers im eigenen Land noch 1 439 Tage liegen, richten sich schon jetzt alle Augen auf die WM 2006.

"Das gute Abschneiden der deutschen Mannschaft in Asien gibt uns einen kräftigen Schub", sagt Gerd Graus vom Organisationskomitee (OK). Bereits vor Japan und Südkorea hätten 86 Prozent der Bevölkerung der WM in Deutschland positiv gegenübergestanden und mit dem Vize-Weltmeistertitel werde die Begeisterung sicher weiter steigen. "Schon jetzt gehen pro Tag locker 100 E-Mails mit Anfragen bei uns ein", erklärt Graus. Die meisten Leute wollten wissen, wie sie an Karten für die nächste WM kommen können, aber viele seien auch an einer Tätigkeit als Volunteer interessiert. Und einige, so der OK-Mann, schicken gleich eine Initiativbewerbung, weil das Organisationskomitee von jetzt 25 Mitarbeitern binnen drei Jahren auf 250 bis 300 Mitarbeiter aufgestockt werden soll.

250 Millionen Schweizer Franken (gut 170 Millionen Euro) hat der Fußball-Weltverband Fifa den Machern der WM 2006 aus einem gemeinsamen Vermarktungspool bereits zugesichert. Den Rest des Etats müssen die Organisatoren mit Hilfe des Ticketverkaufs und der sechs nationalen Sponsoren, die neben den 15 internationalen Geldgebern der Fifa zugelassen sind, erwirtschaften.

Und bei der Suche nach zahlungskräftigen Partnern dürfte der Erfolg von Rudi Völlers Truppe in Asien künftig ein gutes Verkaufsargument sein. Während die Deutsche Telekom sich schon in die Liste der globalen Partner eingetragen hat, steht auf nationaler Ebene bisher nur der Versorger Energie Baden-Württemberg (EnBW) als Sponsor der WM 2006 fest. Doch laut OK-Vizepräsident Fedor H. Radmann sollen noch in diesem Jahr zwei weitere Verträge unterschrieben werden. EnBW, bisher vor allem als Presenter des Wetters in der ARD und als Sponsor des Handball-Bundesligisten Frischauf Göppingen bekannt, betrat mit dem Fußball Neuland: "Wir sind das Engagement eingegangen, als es um den deutschen Fußball noch anders bestellt war", so Pressesprecher Klaus G. Wertel. "Ehrlich gesagt hatte niemand erwartet, dass sich die Völler-Elf so weit nach vorne spielt."

Überraschung auch bei der Brauerei Bitburger, die als einziger der sechs Generalsponsoren des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) den Mut hatte, in TV-Spots mit der Nationalelf zu werben: "Wie es jetzt aussieht, sind wir unter den Partnern des DFB der Winner", sagt Sportmarketing-Leiter Mike de Vries.

Zu den Gewinnern des Turniers gehört auch der DFB. Schon mit dem Viertelfinaleinzug waren laut Teammanager Bernd Pfaff die Kosten des Verbandes gedeckt. Jetzt erhält er für den zweiten Platz von Kahn & Co 12,15 Millionen Franken "Entschädigung" von der Fifa. Allerdings muss er an die Spieler für das Erreichte 71 600 Euro pro Nase auszahlen, zusätzlich zu den maximal 128 000 Euro, die die Profis schon für die WM-Qualifikation erhalten hatten.

Die Bundesliga dürfte ebenfalls von dem unerwartet guten Abschneiden der Völler-Elf profitieren: Bayern Münchens Manager Uli Hoeneß rechnet mit einem Schub bei Sponsoren, Zuschauerzahlen und Fernseheinschaltquoten. Während der Titelkämpfe in Asien verkaufte der Deutsche Meister Borussia Dortmund die 40 000. Dauerkarte für die am 10. August beginnende Saison - bis zum Rekordwert der vorherigen Spielzeit fehlen nur noch 4 000 Abos.

Die Vereine sind künftig stärker auf Sponsoren angewiesen, weil sie bei den TV-Einnahmen Abstriche hinnehmen mussten: "Der Schub, den der deutsche Fußball jetzt erlebt hat, schafft auch Anreize für Unternehmen, die bisher noch nicht in diesem Sport vertreten waren", sagt der Vize-Chef der Vermarktungsagentur Sportfive. Und Werder Bremen, seit einem Jahr ohne Trikotsponsor, hofft, endlich einen Partner zu finden: "Die Unternehmen sehen, wie groß das Interesse am Fußball ist", betont Marketingvorstand Manfred Müller. "20 Millionen vor den Fernsehern beim Halbfinale an einem Werktag mittags. Das ist eine ungeheure Zahl." Zu den großen Verlierern nach dem Abpfiff des gestrigen Endspiels zählen wohl die Fans. Denn glaubt man dem Kölner Psychologen Reinhold Schmitz-Schretzmaier, droht ihnen nun ein "sozialer Kater".

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