Schon lange begleiten Gerüchte den Medienkonzern
Das Kartenhaus von Leo Kirch stürzt ein

Das Spiel ist aus. Der Insolvenzantrag der Kirch Media, des Herzstücks der Kirch-Gruppe, wurde am heutigen Montag gestellt. Damit bricht ein Kartenhaus endgültig zusammen, das zuletzt nur noch funktionierte, weil es Leo Kirch immer wieder gelang, Geldgeber für seine Geschäfte zu begeistern. Und das, obwohl immer wieder Gerüchte um finanzielle Probleme die verschlossene Kirch-Gruppe begleitet haben.

MÜNCHEN. Kirch wichtigster Mann für Finanzfragen war schon seit einigen Jahren sein Vize Dieter Hahn. "Dieter weiß, wie man Schulden bezahlt. Ich wusste nur immer, dass ich sie bezahlen muss", witzelte Kirch noch im vergangenen Oktober. Spätestens Ende 2001 musste Kirch erkennen, dass die hohen Verbindlichkeiten den Konzern in den Abgrund stürzen. Im vergangenen Herbst startete Hahn den letzten verzweifelten Versuch, an frisches Geld zu kommen. Er wollte die Kerngesellschaft Kirch Media mit der börsennotierten Pro Sieben Sat 1 Media AG verschmelzen und damit für den Konzern an der Börse neues Kapital besorgen.

Doch der Plan stand von Anfang an unter einem schlechten Stern. Die Pro-Sieben-Aktie rauschte in den Keller, die Analysten waren sehr skeptisch, die Pro-Sieben-Aktionäre hatten Angst, über den Tisch gezogen zu werden. Schließlich musste Hahn das Vorhaben begraben - seine letzte schwere Niederlage kurz vor dem endgültigen Niedergang der Gruppe.

Bis dahin war Hahn bei den Gespräche mit Investoren und Banken immer ungewöhnlich erfolgreich. Diese pumpten immer neues Geld in die Gruppe, mit dem Hahn aber offenbar nur Löcher an anderen Stellen stopfte. Noch 2001 konnte er die halbstaatliche Bayerische Landesbank - allerdings mit politischem Rückenwind - überzeugen, das Formel 1-Abenteuer zu finanzieren. Im Sommer 2000 gelang es den Kirch-Managern aus der Pro-Sieben-Gruppe und dem Privatsender Sat 1 eine Senderfamilie zu formen - ohne neues Kapital einzusetzen. Die Werthaltigkeit, und damit die Kreditwürdigkeit der gesamten Kirch-Gruppe, stieg damit deutlich.

Schon 1999 hatte Hahn den gesamten Konzern neu aufgestellt und die bisher verschlossene Gruppe für Investoren geöffnet. Insgesamt wurden dadurch etwa 2,5 Mrd. Euro in die Kirch-Kassen gespült. Bei der Kirch Media (Sport- und Filmlizenzhandel, TV-Sender) stiegen Finanzinvestoren wie Lehman Brothers, der saudische Prinz Al Waleed, Capital Research und die Berlusconi-Firmen Mediaset und Fininvest ein. An Kirchs Bezahlfernsehen beteiligte Hahn 1999 Rupert Murdoch, der dafür 500 Mill. Euro und Aktien des britischen Pay-TV-Betreiber BSkyB zahlte, die Kirch bald versilberte.

Zudem zapfte Hahn indirekt die Börse an. Ende 1998 verkaufte er seine Kinderfilm-Lizenzen Junior an EM.TV für damals 500 Mill. DM, die sich EM.TV damals an der Börse holte. Auch an den Börsengängen von Constantin Film AG und von Pro Sieben verdiente Kirch.

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