Schonende Desinfektion
Mit Plasma gegen Keime

Greifswalder Wissenschaftler haben ein weltweit neues Verfahren zur Abtötung von Keimen an medizinischen Instrumenten entwickelt.

dpa GREIFSWALD. Das patentierte Verfahren basiere auf Plasmastrahlung, sei sicherer und für die hochsensiblen Instrumente schonender als bisherige Sterilisationsverfahren, sagte der Pharmazeut Wolf-Dieter Jülich von der Universität Greifswald am Dienstag. Ein Plasma ist ein besonderer, geladener Zustand eines sehr heißen Gases.

Für den "Keimkiller" aus dem Greifswalder Institut für Niedertemperatur-Plasmaphysik (INP) werden die Eigenschaften von Plasmen und deren Strahlung nutzbringend eingesetzt. "Es werden Quecksilber-Edelgas- Plasmen erzeugt, die aggressiv sogar gegen sonst schwer zerstörbare Krankheitserreger sind", erläuterte Jülich.

Die Plasma-UV-Strahlung zerstöre die Erbsubstanz der Erreger und töte ihn so ab. Zugleich schone das Verfahren hochsensible, mikrochirurgische Instrumente und Implantate.

"Die gängigen Standardverfahren zur Sterilisation basieren auf Hitze-Einwirkung, Gammastrahlen oder chemischen Verbindungen - und hinterlassen auf den empfindlichen Materialien zerstörerische Spuren", erklärt Jülich. Zudem bringe die Plasma-Sterilisation auch einen wirtschaftlichen Vorteil, weil die 10 000 bis 25 000 Euro teuren Endoskope länger benutzt werden könnten.

Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene erkranken 5 bis 10 Prozent aller Krankenhauspatienten an Infektionen in der Klinik. Bei einer deutschlandweiten Untersuchung der Krankenhaushygiene, der so genannten HYGEA-Studie von 1999/2000, wurden bei der Hälfte von 152 untersuchten einsatzbereiten und sterilisierten Endoskopen noch Kranheitserreger nachgewiesen.

Noch in diesem Monat wollen die Greifswalder auch ein Patent zur Abtötung von Prionen auf medizinischen Instrumenten einreichen. Prionen gelten als Auslöser für die Rinderseuche BSE sowie für die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit. Da Prionen über keine DNA verfügen, gilt ihre Abtötung als besonders schwierig.

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