Schonfrist läuft in zwei Jahren aus
Landesbanken suchen ihre neue Rolle

Viele Landesbanken haben noch keine klare Ausrichtung für die Zeit nach dem Wegfall der Staatsgarantien präsentiert. Doch die Zeit drängt, Mitte 2005 wird es für die zwölf Institute ernst. Das Handelsblatt startet heute eine Serie über den Stand der Reformbemühungen der Landesbanken.

DÜSSELDORF/FRANKFURT. Wie weit sind die zwölf Landesbanken auf ihrem Weg in den Wettbewerb? "Jede Bank liegt für sich im Zeitplan, wenn auch die Strukturen noch nicht überall optimal sind", heißt es beim Bundesverband Öffentlicher Banken (VÖB) und dessen Präsidenten Hans Dietmar Sauer, der zugleich Vorstandschef der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) ist. Wichtig sei vor allem, den Ratingagenturen zu signalisieren, dass man die Herausforderungen des Übergangs stemmen könne.

Seit zwei Jahren wissen die Lenker von WestLB & Co, dass sie ihre Geschäftsmodelle bis Mitte 2005 umbauen müssen. Ursache sind die drastischen Änderungen der Haftungsgrundlagen, auf welche sich die EU- Kommission und die Bundesregierung nach einer Klage der privaten Banken wegen Wettbewerbsverzerrungen geeinigt hatten: Die staatliche Gewährträgerhaftung - Sicherungsmechanismen für den Fall der Zahlungsunfähigkeit - fällt weg, und die Anstaltslast - die Verpflichtung der öffentlichen Hand, die erforderlichen Mittel für die Aufgaben einer Landesbank zur Verfügung zu stellen - darf dann keine Beihilfeelemente mehr enthalten.

"Dadurch wird für die Sparkassenorganisation der Schutzzaun eingerissen, der sie noch ein ganzes Stück weit vom Wettbewerb abgeschirmt hat", sagt Stefan Stein, Geschäftsführer des Instituts für Kredit- und Finanzwirtschaft der Ruhr Bochum. -Universität Schließlich wird die Haftung des Staates eingeschränkt, zudem müssen die Institute ihr Eigenkapital künftig marktgerecht verzinsen. Bisher profitieren vor allem die Landesbanken von den Staatsgarantien. Mit dem Staat als Bürgen im Rücken attestieren ihnen die internationalen Ratingagenturen eine Top-Bonität. So erhalten sie bessere Refinanzierungskonditionen an den internationalen Kapitalmärkten als ihre privaten Konkurrenten. Dies sichert ihnen seit Jahrzehnten geschäftliche Vorteile. Profiteure waren indirekt auch die Sparkassen über günstige Landesbankenfinanzierungen.

"Doch schon vor der Verkündung der Brüsseler Entscheidung begannen die Refinanzierungskosten der Landesbanken zu steigen", sagt Stefan Best, Direktor der Ratingagentur Standard & Poor?s. "Am 19. Juli 2005 wird es insofern keinen Big Bang geben, da sich der gesamte Zinsaufwand nur kontinuierlich mit dem Auslaufen der Altverbindlichkeiten erhöhen wird."

Die Landesbanken haben unterschiedlich schnell und deutlich auf die Brüsseler Beschlüsse reagiert. Die drastischsten Veränderungen gab es sicher bei der WestLB. Die größte Landesbank wurde in die öffentlich-rechtliche Landesbank NRW und die WestLB AG aufgespalten. Jetzt versucht das Institut den Spagat zwischen internationaler Großkundenbank und Sparkassenzentralbank. Die Bayerische LB entschied sich für eine Holdinglösung: Alles bleibt unter einem Dach, aber es wurden Andockmöglichkeiten für Dritte geschaffen. Zu einer Bündelung der Kräfte kommt es im Norden: LB Kiel und Hamburgische LB werden fusionieren. Die Hessische- und Thüringische Landesbank (Helaba) setzt auf einen verstärkten Schulterschluss mit den Sparkassen; gewährleisten soll dies ein Verbundkonzept. Die Norddeutsche LB hält sich noch bedeckt über ihren Kurs; ihr Fusionsvorhaben mit der Bankgesellschaft Berlin war gescheitert. Die Landesbank Baden- Württemberg übernahm die private BW-Bank und sieht sich immer mehr als Großsparkasse. Die SaarLB hat sich in die Obhut der Bayerischen LB begeben. Die Landesbank Rheinland-Pfalz, die sich als Investmentbank für den Mittelstand positionieren will, ist in einer Sondersituation, weil das Bundesland hier ausnahmsweise nicht beteiligt ist.

Zur Halbzeit der Reformphase gibt es noch viele Fragezeichen. Dabei drängt die Zeit. "Die meisten Landesbanken scheinen immer noch an einer Strategie zu arbeiten. Wer jedoch bis zum Jahresende keine Strategie präsentiert, wird es schwer haben, das Konzept bis Mitte 2005 erfolgreich umzusetzen", sagt Ratingexperte Best. Einige Landesbanken sind im Verzug, weil sie auf den Staus Quo gesetzt hatten.

Die Perspektiven der Landesbanken sind zu einem Großteil abhängig von ihrer Einbindung in die Sparkassen-Finanzgruppe. Eine neue Arbeitsteilung zwischen Landesbanken und Sparkassen ist auch in dem im Herbst verabschiedeteten Strategiepapier der Sparkassenorganisation vorgesehen. Die Sparkassen sollen sich auf den Vertrieb fokussieren; die Landesbanken auf Produktlieferung und Abwicklung. Nun ist hinter den Kulissen der Kampf darüber ausgebrochen, welchen Anteil vom Geschäft einzelne Landesbanken erhalten werden. "Für alle ist der Kuchen zu klein", heißt es selbstkritisch in den Landesbanken.

Auch viele Fachleute fragen sich, für wie viele Landesbanken auf Dauer Platz ist. "Drei bis vier Landesbanken sind ausreichend", sagt beispielsweise Metehan Sen, Analyst bei Sal. Oppenheim. "Eigentlich sollte es ökonomisch gesehen in zehn bis 15 Jahren nur noch eine Landesbank geben."

Ironie der Geschichte: Über die Anforderungen der Ratingagenturen bleibt der Staatseinfluss auch in Zukunft eine wichtige Hilfe für die Landesbanken. Denn "eine feste und unangreifbare Kundenbeziehung halten die Ratingagenturen für wichtig", konstatiert etwa LBBW-Chef Sauer. Zwar habe die EU die staatlichen Garantien weggenommen, S & P, Moody?s und Fitch achteten gerade deshalb vermehrt auf die Qualität des Eigentümers. Deshalb sei es wieder von Vorteil für die öffentlichen Institute, wenn eine Landesregierung beteiligt sei.

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