Schonzeit für Manager gibt es nicht mehr
Chefsessel immer häufiger ein Schleudersitz

Das Hickhack um eine mögliche Ablösung von Telekom-Chef Ron Sommer beherrscht die Schlagzeilen. Sollte er tatsächlich gehen, wäre dies kein Sonderfall: Das berufliche Überleben ist für die hoch bezahlten Konzern-Chefs immer schwieriger geworden.

ap DÜSSELDORF. "Die vorzeitige Ablösung der Vorstandschefs ist nicht länger die Ausnahme, sondern die Regel", heißt es in einer Studie der New Yorker Unternehmensberatung Booz, Allen, Hamilton, in der die Führungswechsel der 2 500 größten börsennotierten Firmen weltweit untersucht wurden.

Das Ergebnis: nirgendwo werden Topmanager häufiger gefeuert als in Europa, in keiner Branche gab es mehr vorzeitige Wechsel als in der Telekommunikationsindustrie. Zwischen 1995 und 2001 erhöhte sich die Zahl der wegen schlechter Bilanzen vorzeitig entlassenen Unternehmenschefs der Studie zufolge weltweit um 130 Prozent. Die durchschnittliche Amtszeit eines Vorstandschefs sank im gleichen Zeitraum von 9,5 auf 7,3 Jahre, was ganz nebenbei ziemlich genau der derzeitigen Amtsdauer von Ron Sommer entspricht.

Den Grund dafür, dass der Chefsessel immer häufiger zum Schleudersitz wird, sieht Heinz Evers, Geschäftsführer der Personalberatung Kienbaum, nicht zuletzt in der Explosion der Managereinkommen in den vergangenen Jahren. "Wenn Sie einen hoch bezahlten Trainer haben, dann werden die Vereinsmitglieder sehr viel kritischer. Wenn die drei oder vier Spiele verloren haben, wechseln sie den Trainer aus."

Eine Schonzeit für Manager gebe es praktisch nicht mehr. "Das Klima ist rauer geworden", sagt Evers. Dabei gelte die Regel: "Wenn er kein Glück hat, ist es der Falsche." Die Frage sei darum auch nicht, ob Sommer letztlich Fehler gemacht habe.

Spitzenverdiener fallen weich

"Unternehmenschefs gleichen in mancher Hinsicht heute Berufssportlern es sind relativ junge Leute mit kurzen, gutbezahlten Karrieren, die zu Ende gehen sobald sie keine außergewöhnlichen Leistungen mehr bringen", fasst Charles Lucier von Booz, Allen, Hamilton das Ergebnis der erst im Juni abgeschlossenen Managementstudie zusammen. Die Öffentlichkeit fordere immer stärker, dass Konzernschefs die Verantwortung für die Probleme ihrer Unternehmen übernähmen. Und nirgendwo sei dieser Trend stärker als in Europa.

Doch fallen die Konzernchefs in der Regel weich, zumindest finanziell betrachtet. Die Chefs können - auch wenn es dem Unternehmen schlecht geht - Evers zufolge in der Regel mit einer attraktiven Abschlagszahlung für das Gehalt in der restlichen Vertragslaufzeit inklusive der Ausgaben für Dienstwagen und Fahrer rechnen, sowie mit einer stattlichen Abfindung. Häufig handele es sich dabei um ein vorgezogenes Altersruhegeld in Höhe von 50 bis 60 Prozent der letzten Festbezüge. "Wenn der Manager noch relativ jung ist, kann das ziemlich teuer werden", meint der Experte.

Trotz der finanziellen Abfederung falle der Abschied vom Chefsessel vielen Managern aber schwer, betont der Personalberater. "Da für den Manager die Arbeit das Lebenselixier ist, fällt der hart. Das ist wie ein arbeitsloser Trainer, der irgendwo auf Mallorca sitzt und die Bundesligaergebnisse hört. Glücklich ist der nicht."

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