Schoser erwartet schwaches Konjunkturjahr 2002
DIHK sieht „schwarze Wachstums-Null“

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag rechnet in diesem und im nächsten Jahr mit einem geringeren Anstieg des Bruttoinlandsprodukts als die Bundesregierung und die Wirtschaftsforschungsinstitute. Auch die Entwicklung der Arbeitslosigkeit schätzen die Kammern pessimistischer ein.

uhl/HB BERLIN. Die Prognosespirale für das deutsche Wirtschaftswachstum dreht sich weiter nach unten. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) erwartet 2001 nur eine "schwarze Null". Das könnte aber durchaus ein Wachstum von bis zu 0,5 % bedeuten, erläuterte Hauptgeschäftsführer Franz Schoser anlässlich der Vorstellung der DIHK-Herbstumfrage bei mehr als 25 000 Unternehmen. Sie wurde im Oktober durch eine Blitzumfrage bei 1 500 Firmen aktualisiert. Angesichts der Unsicherheit über das vierte Quartal sei eine seriöse Konjunktureinschätzung zurzeit "unheimlich schwierig", betonte Schoser, der das Wort "Rezession" nicht in den Mund nehmen wollte. Für das "schwache Konjunkturjahr 2002" prognostizierte er ein Wachstum von 1 % oder etwas mehr, "wenn alles gut läuft".

Damit ist der DIHK pessimistischer als die Bundesregierung und die Forschungsinstitute. Die Regierung rechnet 2001 mit einem Wachstum von 3/4 % und 2002 mit 1 1/4 %. Die Institute liegen bei 0,7 % und 1,3 %.

Bundesbankpräsident Ernst Welteke zeigte sich dagegen gestern in Kopenhagen ein "bisschen optimistisch," , dass sich die Euro-Konjunktur bald erholen werde. Für Bundesbank-Vizepräsident Jürgen Stark ist ein verzögert einsetzender und dann verhalten verlaufender Aufschwung der Weltkonjunktur ein derzeit wahrscheinliches Szenario. Von einer Rezession im Euro-Raum könne nicht die Rede sein. Deutschland befinde sich in einem "Zustand nahe einer Stagnation", sagte Stark am Montag in München laut Redetext.

Die Lage auf dem Arbeitsmarkt beurteilt der DIHK ebenfalls skeptischer als die Bundesregierung und die Institute, die 2002 mit knapp 3,9 Mill. Arbeitslosen rechnen. Schoser erwartet wegen des Rückgangs der Beschäftigtenzahl um 200 000 bis 250 000, dass die Zahl der Arbeitslosen die Vier-Millionen- Marke überschreiten wird. Die Unternehmen hätten Anfang Oktober die Personalplanungen noch einmal zusätzlich nach unten revidiert. "Dabei hat die immer mehr beklagte Starrheit des Arbeitsmarktes teilweise harte Maßnahmen ausgelöst", erklärte Schoser.

Er kritisierte erneut die Ausdehnung der Mitbestimmung, den Rechtsanspruch auf Teilzeitarbeit und Erschwernisse bei der Befristung von Beschäftigungsverhältnissen. Außerdem drohten Lohnzusatzkosten wieder zu steigen. "Trotz des Wahljahres 2002 sollte der Arbeitsmarkt wie in fast allen Nachbarländern aufgelockert und die Gewährung von Sozialleistungen der neuen Situation angepasst werden", forderte Schoser.

Wegen der lahmenden Konjunktur, die durch die Terroranschläge zusätzlich einen spürbaren Dämpfer erhalten habe, plädiert Schoser für einen Verzicht auf die Erhöhung von Versicherung-, Tabak- und Ökosteuer. Zudem warnte er vor überhöhten Lohnabschlüssen und einer Anhebung der Neuverschuldung. Im Gegensatz zu Bundeskanzler Gerhard Schröder sieht Schoser keinen Grund für ein höheres Staatsdefizit. Die Steuerreform sollte nur vorgezogen werden, "wenn dies nicht auf Pump geschieht".

Positiv wirkten derzeit der niedrige Ölpreis und die nachlassende Inflation, sagte Schoser. Auch der Export dürfte im nächsten Jahr der Konjunktur Halt geben. Die schlechte Verfassung des Arbeitsmarktes und der Anstieg von Sozialabgaben und Steuern schmälerten dagegen den privaten Verbrauch.

Die Investitionen würden 2002 allenfalls stagnieren. Die Ereignisse im September hätten diesen Trend angesichts freier Kapazitäten und geringerer Erträge kaum zusätzlich beeinträchtigt. Besonders ausgeprägt sei das Absinken der Investitionsneigung in der Industrie, meinte Schoser. Nach der DIHK-Herbstumfrage hat der Anteil der Unternehmen, die ihre Geschäftslage als gut beurteilen, mit 20 % den niedrigsten Wert seit 1997 erreicht.

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