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"Schrecken aller Postminister" lehrte Post und Telekom das Fürchten

Wilhelm Hübner, Vorsitzender des Verbandes für Post und Telekommunikation, wurde am Dienstag offiziell verabschiedet. Neuer Vorstandsvorsitzender ist seit Juli Manfred Herresthal.

ap Offenbach. Dass die Deutschen heute über 45 Millionen Telefonanschlüsse und eine bestens ausgebaute Telefon-Infrastruktur nutzen können, verdanken sie zum großen Teil Wilhelm Hübner. Der jetzt 71-jährige "Schrecken aller Postminister", wie ihn ein Festredner nannte, wurde am Dienstag offiziell als Chef des von ihm mitgegründeten Deutschen Verbandes für Post und Telekommunikation (DVPT) mit Sitz in Offenbach verabschiedet. An dem Empfang nahmen unter anderem die früheren Bundespostminister Wolfgang Bötsch und Christian Schwarz-Schilling sowie der Präsident der Regulierungsbehörde, Klaus Dieter Scheurle, teil.

Der Offenbacher Bürgermeister Stephan Wildhirt würdigte den Verband, der für die Interessen der Post - und Telefonnutzer kämpft, als eine der erfolgreichsten Bürgerinitiativen. Der DVPT, früher Verband der Postbenutzer, hat nach eigenen Angaben über 1.500 Mitglieder, darunter vor allem mittlere und große Unternehmen, ferner Städte, Gemeinden und Einrichtungen der öffentlichen Hand. Als neuer Vorstandsvorsitzender fungiert seit Juli Manfred Herresthal. Hübner ist jetzt Ehrenvorsitzender.

Der Verband wurde 1965 aus der Not geboren. Damals war die Bundesrepublik in Bezug auf Telefone ein Entwicklungsland, das Staatsunternehmen Deutsche Bundespost herrschte konkurrenzlos über den gesamten Post - und Fernmeldebereich und behandelte potenzielle Kunden, die sich um einen Telefonanschluss rissen, wie lästige Bittsteller. "1967 gab es bundesweit nur rund sechs Millionen Telefonanschlüsse, aber etwa eine Million Antragsteller, die vergeblich auf einen neuen Telefonanschluss warteten", berichtet der Verband. Die Post, die den Kunden die Telefonapparate vermietete, und ihre Zulieferindustrie hätten den Bedarf zwar binnen Monaten decken können, hätten aber Angst gehabt, nach dem Boom "arbeitslos" zu werden.

Guter Draht bis hin zur EU-Kommission

Mit 18 weiteren Bewohnern einer Neubausiedlung in Neu-Isenburg verklagte Hübner, damals Mitglied der Geschäftsleitung eines Offenbacher Verlags, später Geschäftsführer der katholischen Wochenzeitung "Publik", die Bundespost, "die daraufhin zum ersten Mal in ihrer Geschichte einen festen Einrichtungstermin für Telefonanschlüsse zusagte". Hübner wurde daraufhin von vielen Betroffenen aus dem Bundesgebiet um Rat und Hilfe gebeten. Einen gewaltigen Prestigeerfolg verbuchte der Verband mit einer von ihm herbeigeführten Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts, dass jeder Bundesbürger einen Rechtsanspruch auf unverzügliche Herstellung eines beantragten Telefonanschlusses habe.

Seit 1975 ist der Verband befugt, "mit den Rechten und Pflichten eines Rechtsbeistandes im Bereich des Post - und Fernmelderechtes zu beraten". Er wird in Fachfragen von Ministerien, Bundestag, Regulierungsbehörde und von der EU-Kommission angehört. Auf seinen Antrag hin hat die Kommission Kartellverfahren gegen die Deutsche Post und die Deutsche Telekom eingeleitet - gegen die Post wegen missbräuchlicher Ausnutzung einer Monopolstellung zu überhöhten Preisen, gegen die Telekom, weil Orts- und Nahgespräche teurer sind als Ferngespräche.

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