"Schreckliche Assoziationen"
Spiegel kritisiert erneut Leitkultur-Begriff

Reuters NÜRNBERG. Der Vorsitzende des Zentralrats der Juden, Paul Spiegel, hat erneut massive Kritik am von der Union verwendeten Begriff der deutschen Leitkultur geübt. Er erwarte insbesondere von Politikern einen sorgfältigen Umgang mit zu Missverständnissen geeigneten Begriffen, sagte Spiegel am Mittwoch in Nürnberg beim Richtfest zur Eröffnung eines Dokumentationszentrums am ehemaligen NS-Reichsparteitagsgelände. "Leichtfertiges und verantwortungsloses, verbales Zündeln kann Brände entfachen", sagte Spiegel.

Die Nationalsozialisten hätten in Nürnberg die Grundsätze ihres Terrorsystems bestimmt und damit die Leitkultur des dritten Reiches, sagte Spiegel weiter. Diese habe zur Ermordung von Mill. unschuldiger Männer, Frauen und Kinder geführt. "Kann es da verwundern, wenn achtlos in die Politik geworfene Begriffe wie Leitkultur schreckliche Assoziationen nicht nur bei uns Juden hervorrufen", sagte Spiegel. Er unterstelle doch weder CDU noch CSU die politische Leitkultur des Nazisystems wiederbeleben zu wollen.

Zugleich deutete Spiegel Kompromissbereitschaft an. Sollte sich die CDU dazu entschließen, den Begriff Deutsche Leitkultur durch Deutsche Kultur zu ersetzen, habe er damit kein Problem. Grundsätzlich habe er auch kein Problem damit, dass in Deutschland über Zuwanderung diskutiert werde.

Das noch im Bau befindliche Dokumentationszentrum stellt nach Spiegels Worten ein beispielhaftes Projekt von internationaler Bedeutung dar. Nürnberg stelle sich damit seiner unrühmlichen Geschichte, sagte er. Die Einrichtung soll im November kommenden Jahres eingeweiht werden. Die Kosten von rund 80 Mio DM teilen sich Stadt, Freistaat und Bund zu jeweils gleichen Teilen.

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