Schreiben an Bundeskartellamt
Heidelberg-Cement weist Kartellvorwürfe zurück

Der Baustoffhersteller Heidelberg-Cement hat Branchenkreisen zufolge den Vorwurf der Preismanipulation im Zementhandel zurückgewiesen. In einem Schreiben an das Bundeskartellamt habe das Unternehmen weitestgehend bestritten, an Gebiets- und Quotenabsprachen teilgenommen zu haben, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag aus Branchenkreisen. "Heidelberg-Cement hat im Grunde fast alles bestritten", hieß es.

Reuters FRANKFURT. Das Bundeskartellamt und Heidelberg-Cement bestätigten, dass sich der Zementhersteller zu den Kartellvorwürfen schriftlich geäußert habe, lehnten aber Kommentare zum Inhalt ab. Reuters hatte vor einigen Wochen erfahren, dass der Konzern in dem Kartellverfahren möglicherweise eine Strafe von bis zu 400 Millionen Euro zu erwarten hat. Andere große Firmen der Branche wie Dyckerhoff oder Holcim aus der Schweiz haben bereits mitgeteilt, Bußgeldstrafen von jeweils mehr als 100 Millionen Euro zu erwarten.

Wie es in den Branchenkreisen hieß, sei das Bundeskartellamt von den Argumenten Heidelberg-Cements bisher wenig überzeugt. "Potenziell steht die Strafe noch im Raum", sagte ein mit der Sache Vertrauter. Die Wettbewerbswächter müssten die Angelegenheit aber weiter prüfen. "Die Aussagen der anderen (Zementhersteller) belasten Heidelberg-Cement eindeutig und schwer", hieß es weiter. Das Kartellamt bietet Firmen eine Art Kronzeugenregelung an, bei der geständige Gesellschaften mit einer milderen Strafe rechnen können.

"Jetzt ist das Kartellamt am Zug", sagte ein Sprecher von Heidelberg-Cement. Weitergehend wollte er sich nicht äußern. Die Bonner Wettbewerbsbehörde hatte den Konzern dazu aufgefordert, zum Vorwurf der Preisabsprache Stellung zu nehmen. "Wir sind davon überzeugt, dass Heidelberg-Cement im Ergebnis dieses Kartellamtsverfahrens eine untergeordnete Rolle spielt", hatte es vor einigen Wochen von Heidelberg-Cement geheißen. Wenn es erforderlich werde, lege der Konzern Rechtsmittel ein.

Auch eine Sprecherin vom Bundeskartellamt bestätigte den Eingang des Heidelberg-Cement-Schreibens, lehnte aber eine Stellungnahme zum Inhalt ab. "Wir müssen die Argumente jetzt bewerten", sagte sie lediglich. "Wir gehen nach wie vor davon aus, dass wir das Verfahren gegen die großen Unternehmen vor Ostern abschließen können."

Insgesamt ermittelt das Bundeskartellamt nach früheren Angaben gegen fast 30 Baustoffhersteller, die Regionen untereinander aufgeteilt und Zementpreise festgelegt haben sollen. Die Summe aller Bußgelder könnte sich auf rund eine Milliarde Euro und damit auf eine bislang nie erreichte Größenordnung belaufen. Die meisten anderen beschuldigten Firmen hätten bereits "ein Geständnis" abgelegt und sich zur Zusammenarbeit mit dem Behörden bereit erklärt, hatte es vor einigen Wochen aus Branchenkreisen geheißen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%