Schreiber findet für Sanierungsplan keine Zustimmung
Für die Mannheimer läuft die Zeit ab

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) will das Rettungskonzept der angeschlagenen Mannheimer Versicherungsgruppe nicht akzeptieren. Das hat das Handelsblatt aus Kreisen der Großaktionäre erfahren. Am heutigen Donnerstag findet deshalb ein wichtiges Gespräch zwischen Aufsicht und Mannheimer statt.

DÜSSELDORF. Danach entscheidet sich, ob die Mannheimer Lebensversicherung, die die Krise im Konzern ausgelöst hat, zum ersten Fall für die vor Monaten von der Branche für solche Notfälle gegründete Auffanggesellschaft Protektor wird. Die würde dann die Policen der Mannheimer-Leben fortführen. Weder die Mannheimer noch die Finanzaufsicht äußerten sich auf Anfrage dazu.

Der Lösungsvorschlag der Mannheimer besteht aus zwei Teilen: erstens einer Kapitalerhöhung durch die Alt-Aktionäre und zweitens einer flankierenden Vorfinanzierung durch die Rückversicherer. In der Branche ist von einer Kapitalspritze von 130 Mill. Euro plus 170 Mill. Euro Depotstellung durch die Rückversicherer die Rede. Bei einer solchen Depotstellung fließt kein Bargeld nach Mannheim; es ist vielmehr eine Beteiligung des Rückversicherers an den Versicherungsleistungen. Das ist dem Amt als Rettungsmaßnahme wohl zu vage.

Bafin-Chef Jochen Sanio macht Druck, weil er das Problem nicht erst kurz vor Toresschluss, also kurz vor dem Bilanzstichtag zum Jahresende, lösen möchte. Die Branche rechnet deshalb auch damit, dass er Mannheimer-Chef Hans Schreiber und seinen Leben-Chef Klaus Bohn heute zum Rücktritt drängen wird. Beide sollen den Finanzvorstand zur falschen Zeit zu Aktienkäufen bewegt haben, was dann die Finanzprobleme bei der Leben ausgelöst habe, heißt es.

Das Amt wird womöglich einen Zwangsverwalter nach Mannheim entsenden. Jedenfalls scheint die Bereitschaft, Geld zu geben, unvereinbar mit dem Verbleib des alten Managements zu sein. Sie fußt ohnehin mehr oder weniger allein darauf, das Produkt Lebensversicherung vor schlechtem Ruf zu bewahren. Das interessiert die ganze Branche, weshalb nicht bloß die Aktionäre dafür zahlen wollen. Die beiden größten Aktionäre sind die österreichische Uniqa Versicherung (13 %) und die Münchener Rück (10 %); weitere Versicherer halten 5 %. Keiner von ihnen will sein Engagement ausbauen.

Hinzu kommt, dass die Rückversicherer dem Vernehmen nach eine exponierte, aber relativ ungesicherte Rolle bei der Rettung scheuen. Immerhin übersteigt die ihnen zugedachte Depotstellung mit 170 Mill. Euro den Börsenwert von knapp 90 Mill. Euro für den SDax-Wert Mannheimer (ISIN 8428004) beträchtlich. Die Holding weist Ende 2002 ein Kapital von 205 Mill. Euro aus. Sie hat insgesamt aber 230 Mill. Euro an stillen Lasten angehäuft, die wahrscheinlich in diesem Bilanzjahr ergebnisbelastend abgeschrieben werden müssen. Allein im ersten Quartal dieses Jahres haben die Abschreibungen zu einem Verlust nach Steuern von 63,6 Mill. Euro geführt. Für das Gesamtjahr 2002 waren es noch 50 Mill. Euro. Mit einem Beitragsumsatz von 810 Mill. Euro rangiert die Mannheimer auf einem der mittleren Ränge.

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