"Schreiber-Prozess"
Ex-Vertrauter von Schreiber sagt aus

Im Prozess gegen zwei frühere Thyssen-Manager wegen Geheimzahlungen bei einer Panzerlieferung nach Saudi-Arabien ist am Dienstag ein langjähriger Schweizer Geschäftspartner des Waffen-Lobbyisten Karlheinz Schreiber vernommen worden.

dpa AUGSBURG. Der Wirtschaftsprüfer Giorgio Pelossi erläuterte als Zeuge vor dem Landgericht Augsburg das Firmengeflecht um Schreiber, den er über Jahre beraten hatte. Nach einem Zerwürfnis der beiden hatte Pelossi den Ermittlern zahlreiche Dokumente übergeben.

Die Firma sei gewachsen und nicht bewusst unübersichtlich gemacht worden, sagte Pelossi. Über eine der Firmen liefen aus Sicht der Anklage bei dem Panzergeschäft die illegalen Provisionen, die Schreiber und die beiden Angeklagten Winfried Haastert und Jürgen Maßmann kassierten. Ihnen werden Steuerhinterziehung, Betrug und Untreue vorgeworfen. Ursprünglich sollte gegen Schreiber auch auf der Anklagebank sitzen; wegen seiner Flucht nach Kanada wurde das Verfahren abgetrennt. Schreiber gilt als Schlüsselfigur der Provisions- und Schmiergeld-Affäre.

Das Dach sämtlicher Schreiber-Firmen war nach Aussage Pelossis die Kensington-Anstalt mit Sitz im liechtensteinischen Vaduz. "Kensington, das ist Schreiber", sagte er. Kensington und die nachgeordneten Firmen gelten bei offiziellen Stellen als Briefkasten- Firmen. Pelossi war auch Präsident und Direktor der panamaischen Briefkastenfirma ATG Investment, über die laut Anklage die Panzer- Provisionen abgewickelt wurden, obwohl der Vertrag mit Saudi-Arabien solche Vermittlungszahlungen verbot.

Von dem Panzerdeal wusste Pelossi nach eigenen Angaben nichts. Zu der Zeit, als das Geschäft abgewickelt werden sollte, sei es zum Bruch mit Schreiber gekommen. Er sei im Vorstand abgelöst worden. Pelossi beschrieb Schreiber als sehr aktiven Geschäftemacher mit hervorragenden Kontakten zu Entscheidungsträgern in Wirtschaft und Politik wie dem früheren bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß und dessen Sohn Max. Auch in Kanada, wo es viele Projekte gab, habe er in kurzer Zeit alle wichtigen Leute gekannt.

Bis Mitte April sollen mehr als 20 Zeugen vor dem Landgericht aussagen.

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