Schrempp: Entwicklung war nicht abzusehen
Daimler-Chrysler hält Klage für unbegründet

Der Autohersteller Daimler-Chrysler sieht für die Klage seines Großaktionärs Kirk Kerkorian auf umgerechnet 20,6 Mrd. DM Schadensersatz keine Grundlage. Auf Basis dessen, was die Kerkorian-Firma Tracinda Corporation dazu veröffentlicht habe, halte man die Klage für "völlig unbegründet", sagte ein Sprecher des deutsch-amerikanischen Konzerns am Dienstag.

Reuters STUTTGART/NEW YORK. Tracinda als drittgrößter Aktionär des Autobauers hatte am Montag mitgeteilt, gegen Daimler-Chrysler und dessen Vorstandschef Jürgen Schrempp in den USA zu klagen und dies mit Irreführung der US-Börsenaufsicht und der Aktionäre von Chrysler begründet. Die Forderung von Kerkorian, Chrysler wieder aus dem Konzern auszugliedern, lehnte Daimler-Chrysler ab.

Die Aktien von Daimler-Chrysler gaben am Dienstag an der Börse nach. Die Titel rutschten bis zum Mittag um 3,8 % auf 45,50 Euro ab und lagen damit nur noch knapp 40 Cents über ihrem Jahrestief.



Die Klageschrift der Tracinda, die rund 4 Prozent an dem Autobauer hält, ging nach Angaben des Daimler-Chrysler-Sprechers am Dienstag bei dem Konzern ein. Sie werde nun eingehend geprüft. Wann eine endgültige Bewertung auf Basis der Klageschrift vorliegt, sagte der Sprecher nicht.

Tracinda hatte am Montag mitgeteilt, man habe Daimler-Chrysler und führende Manager, darunter Firmenchef Jürgen Schrempp, vor einem Distrikt-Gericht in Delaware auf insgesamt neun Mrd. Dollar Schadenersatz verklagt. Der Kernvorwurf sei, dass die damalige Daimler-Führung wissentlich die damaligen Chrysler-Aktionäre und die US-Börsenaufsicht mit der Darstellung getäuscht habe, man plane eine "Fusion unter Gleichen" (merger of equals) mit Chrysler. Dem widersprechend habe Schrempp nun aber am 30. Oktober in einem Zeitungsinterview eingestanden, dass er damals gelogen und von Anfang an eine Kontrolle über Chrysler, also eine Übernahme, angestrebt habe, hieß es in einer Tracinda-Stellungnahme.

Dem wurde in Kreisen von Daimler-Chrysler indes entschieden. widersprochen. Geplant gewesen sei vor zwei Jahren tatsächlich ein "Zusammenschluss unter Gleichen", hieß es. Dass sich die Strategie dann in der Folgezeit gewandelt und Chrysler zu einer Konzerndivision geworden sei, sei damals nicht absehbar gewesen. Die damalige Unterrichtung der Chrysler-Aktionäre wie der US-Börsenaufsicht SEC sei wahrheitsgemäß gewesen.

In anderen Kreisen des Daimler-Chrysler-Konzerns hieß es aber auch, und zwar nicht nur in Bezug auf die Klage von Kerkorian, nun rächten sich offenbar die "vollmundigen Ankündigungen" von damals, als die Fusion geschlossen worden war. Die aktuellen Probleme von Chrysler allerdings - der Konzern war im dritten Quartal mit 579 Mill. Euro tief in die Verlustzone gerutscht - seien damals nicht absehbar gewesen. Zur Kerkorian-Klage hieß es ergänzend: "Nichts, was negativ ist, ist derzeit hilfreich". Schrempp versucht aktuell mit einer neuen Spitze unter Führung von Dieter Chrysler wieder aus der Verlustzone herauszuführen.

Daimler-Chrysler-Großaktionär Kerkorian argumentiert über sein Unternehmen Tracinda, man hätte seinerzeit der Fusion nicht zugestimmt, wenn man gewußt hätte, dass Chrysler übernommen werden solle. Die damalige Daimler-Führung habe die Zustimmung von Tracinda zur Fusion "durch Irreführung" erlangt. Tracinda war zum Zeitpunkt der Fusion im Jahre 1998 mit 13,75 % der Anteile größter Chrysler-Aktionär. Tracinda beklagte zudem, dass sich seit der Fusion vor zwei Jahren der Aktienkurs von Daimler-Chrysler mehr als halbiert habe.

"Was auch immer es sein mag, es ist auf alle Fälle ein Störfaktor", sagte Gary Lapidus, Analyst bei Goldman Sachs. Im wesentlichen ändere sich nichts bei Chrysler, bis auf die Auswirkungen, die ein schwebendes Gerichtsverfahren auf die Durchführung eines Unternehmensumbaus haben könne. "Es ist sicherlich nicht positiv dies im Nacken zu haben", sagte er.

Der Daimler-Chrysler-Großaktionär Deutsche Bank wollte sich am Dienstag zur Kerkorian-Klage nicht äußeren. Die Bank sprach der DaimlerChrysler-Führung aber erneut das Vertrauen aus. Die Bank stütze die Strategie des Unternehmens, sagte ein Sprecher der Bank. Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer hatte kürzlich erklärt, er halte die Fusion von Daimler und Chrysler vor zwei Jahren weiter für richtig und sei zuversichtlich, dass der Konzern die Chrysler-Probleme löse.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%