"Schritt in die richtige Richtung"
Deutsche Börse erweitert Regelwerk für Neuen Markt

Die Deutsche Börse AG wird Anfang Januar das Regelwerk für den Neuen Markt der Frankfurter Börse in zwei Schritten erweitern. Ab dem 1. März unterlägen am Neuen Markt notierte Unternehmen sowie ihr Vorstand und Aufsichtsrat beim Kauf und Verkauf von Unternehmensanteilen einer Meldepflicht, teilte die Deutsche Börse am Mittwoch in Frankfurt mit. Darüber hinaus sollten ab Januar die Quartalsberichte umfangreicher und weiter standardisiert werden.

Reuters FRANKFURT. Ab diesem Termin werde die Deutsche Börse AG alle Sanktionen veröffentlichen, die sie bei Regelwerksverstößen gegen Unternehmen verhänge. Während Analysten sich positiv über die erweiterten Regeln äußerten, forderte die Schutzvereinigung der Kleinaktionäre (SdK), dass auch Großaktionäre in die Offenlegungspflicht mit einbezogen werden.

Die Deutsche Börse überprüft das Regelwerk nach Angaben von Vorstand Volker Potthoff regelmäßig im Sinne des sich dynamisch entwickelnden Neuen Marktes. "Mit den Neuerungen, die ab Anfang 2001 gelten, setzen wir wieder ein Zeichen für das Qualitätsmerkmal Transparenz, das den Erfolg des Neuen Marktes ausmacht", sagte er. Das Regelwerk könne jedoch weder sinkende Kurse noch Fehlverhalten von Emittenten verhindern, betonte Potthoff.

Im Mittelpunkt der Erweiterung steht den Angaben zufolge die Regelung zur Offenlegung von Wertpapiergeschäften (Disclosure of Directors Dealing). Danach sei der Emittent verpflichtet, den Markt unverzüglich über eigene Transaktionen beziehungsweise die Transaktionen der einzelnen Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder auf elektronischem Wege zu informieren. Kurssensitive Informationen seien wie in der Vergangenheit über Ad-hoc-Mitteilungen anzuzeigen. Zuwiderhandlungen würden über Sanktionsmaßnahmen geahndet, die von Abmahnungen bis hin zum Delisting reichten, hieß es.

Wie die Börse weiter mitteilte, werden die Inhalte der Quartalsberichte erweitert und standardisiert. Die einheitliche Erfassung wichtiger Kennzahlen ermögliche eine leichtere Konsistenzprüfung und Vergleichbarkeit der Daten. Zudem müssten Quartalsberichte die Bilanz für den Berichtszeitraum enthalten sowie die Zahl der Aktien, die vom Emittenten und den Mitgliedern der Geschäftsführungs- und Aufsichtsratsorgane gehalten würden. Damit steige die Qualität der Berichterstattung weiter, hieß es.

Erweiterungen des Regelwerkes gefordert

Thomas Teetz, Neuer Markt-Analyst bei HSBC Trinkaus & Burkhardt, bezeichnete die erweiterten Regeln als Schritt in die richtige Richtung. Derartige Erweiterungen seien in den vergangenen Monaten von vielen Seiten gefordert worden, sagte Robert Suckel vom Analysehaus SES Research. Abzuwarten sei, wie sich das neue Regelwerk auf das Marktgeschehen auswirke.

Um mit der Offenlegungspflicht von Anteilsverkäufen und-käufen ein vertrauensbildendes Instrument zu schaffen, hätten neben Unternehmensorganen auch andere Großaktionäre einbezogen werden sollen, sagte Markus Straub, Vorstand der Schutzvereinigung der Kleinaktionäre (SdK). Anteile seien oftmals aus steuerlichen Gründen im Besitz der Vorstands- und Gründerfamilien oder würden von einer eigens dafür gegründeten GmbH gehalten. "Es ist also noch ein recht löchriger Käse", sagte Straub. Um das Instrument effektiv zu machen, fordert die SdK, dass es in das vierte Finanzmarkförderungsgesetz aufgenommen wird. "Ein Gesetzesverstoß hat einen anderen Charakter als ein Regelverstoß", sagte Straub.

Umfassende und standardisierte Quartalsberichte sowie die Veröffentlichung der bei Unternehmensorganen liegenden Aktienzahl in den vierteljährlichen Berichten sorgten für mehr Transparenz und Nachvollziehbarkeit, sagte der SdK-Vorstand weiter. "Ein selbstreinigender Prozess" des Marktes werde sich durch die Veröffentlichung der bei Regelverstößen verhängten Sanktionen ergeben. "Die Sanktionen der Börse sind sehr beschränkt, so droht man mit der Strafe des Marktes".

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