Schroders rechnet mit deutlichen Kurssteigerungen bei US-Aktien
Fondsexperten setzen auf Finanzwerte

Trotz vieler und aggressiver Zinssenkungen wird eine Rezession in der US-Wirtschaft wohl nicht mehr aufzuhalten sein. Fondsmanager bewerten aber unterschiedlich, wie lange diese Phase dauern wird und was darauf für die US-Aktienmärkte folgt. Einigkeit besteht bei der Branchengewichtung: Finanz- und Gesundheitstitel sind top.

DÜSSELDORF. Mit ihren Zinssenkungen unterstreicht die US-Notenbank zwar, dass sie lieber die Wirtschaft und Märkte in Liquidität "ersäufen" will, als dass sie eine längere Rezession in Kauf nimmt. Dennoch zweifelt kaum ein US-Fondsmanager daran, dass auch im vierten Quartal das Bruttoinlandsprodukt erneut zurück gehen wird, und damit nach klassischer Definition eine Rezession vorliegt. Die Frage lautet nur: Wie lange wird sie dauern? Und: Wie sollten sich dann Investoren in den USA positionieren?

Ian Brady, Leiter des Londoner Nordamerika Teams beim britischen Fondshaus Schroders, zählt hier zu den Optimisten. Zwar rechnet auch er kurzfristig mit ein, zwei schwachen Quartalen. "Die wirtschaftlichen Folgen der Anschläge sind aber überschätzt worden", erklärt er im Gespräch mit dem Handelsblatt. "Auf Sicht der kommenden zwölf Monate rechne ich mit Kurssteigerungspotenzial bei US-Aktien im zweistelligen Prozentbereich", meint der Schroders-Experte.

Seine Meinung stützt er auf drei Faktoren: Erstens hätte eine expansive Geldpolitik immer in der Historie steigende Kurse zur Folge gehabt. Dazu würde zusätzlich das geplante 100 Mrd. Dollar-Konjunkturpaket der US-Regierung die Wirtschaft stimulieren. Vor allem aber verweist Brady auf eines: "Bereits vor der jetzt einsetzenden Rezession haben die Unternehmen einen schmerzlichen Restrukturierungsprozess hinter sich gebracht." Die Folge sei, dass die Profitabilitätsgrenze, also ab welchem Umsatzvolumen Gewinne geschrieben werden, stark gesunken sei.

Neue Kursrückschläge antizyklisch zum Einstieg nutzen

Beim Glasfaserausrüster JDS Uniphase sei diese Grenze gar um zwei Drittel gesenkt worden. "Damit ist der Boden bereitet für neues Gewinnwachstum", ist der Schroders-Experte überzeugt. Da die lockere Geldpolitik zum Beispiel Baukredite verbilligen würde, hätten die verschuldeten amerikanischen Haushalte mehr Geld für den Konsum. Brady fürchtet deshalb keinen lang andauernden Nachfrageausfall.

Der Fondsexperte räumt ein, dass wegen der derzeit sinkenden Gewinne und der gleichzeitig steigenden Kurse US-Aktien im historischen Vergleich nicht gerade billig sind. Allerdings verweist er darauf, dass die Gewinnrückgänge oft durch Goodwill-Abschreibungen verzerrt seien. Er rät daher dazu, neue Kursrückschläge antizyklisch zum Einstieg zu nutzen. In seinem Fonds, dem Schroder US Active Value Fund, hat er entsprechend die Barreserven auf rund 2 % des Fondsvermögens zurückgeführt.

Bernhard Picchi, Director für Investment Research im Bereich US Aktien von Federated Investors in New York, ist insgesamt kritischer. "Die Umstrukturierungsbemühungen der Unternehmen sehen wir auch. Doch was nützen die, wenn die Nachfrage ausbleibt?", fragt der US-Experte.

Massenentlassungen verunsichern die Konsumenten

Schließlich hätten Umstrukturierungen in der Regel Massenentlassungen zur Folge. "Die Lage auf dem Arbeitsmarkt verunsichert die Konsumenten, die Säule der US-Wirtschaft." Als Folge fürchtet Picchi, dass die Verbraucher in Zukunft mehr Geld sparen. "Die Steigerung der Sparrate um nur einen Prozentpunkt entzieht dem Wirtschaftskreislauf Nachfrage im Volumen von rund 70 Milliarden Dollar", rechnet der Federated-Analyst vor. Das Konjunktur-Paket der Regierung Bush könnte günstigenfalls diesen Effekt wieder ausgleichen. Er glaubt, dass eine Belebung der US-Wirtschaft frühestens zum Ende des zweiten Quartals 2002 zu erwarten sei.

Als Folge für die Märkte rechnet Picchi zwar nicht mit einem Fall der Aktienkurse auf das Niveau nach den Attentaten - aber auch nicht mit einer groß angelegten Kurserholung, die die Fondsmanager von Schroders erwarten. Picchi: "In den kommenden Jahren werden die zu erzielenden Renditen mit US-Aktien unter ihrem historischen Durchschnitt liegen - etwa bei 8 bis 10 % pro Jahr." Der historische Schnitt der Aktienrenditen aus Dividenden und Kursgewinnen betrage aber 11,5 % pro Jahr.

Einig sind sich beide Häuser bei der Sektorengewichtung: Sie setzen auf Finanzwerte, allen voran Versicherer-Titel. Hier empfiehlt Schroder vor allem die Chubb. Daneben empfehlen beide Fondshäuser Titel der Gesundheitsbranche sowie Technologiewerte. "Hier gibt es echte Werte", meint Picchi. Schroder-Experte Brady mag z.B. den Halbleiter-Sektor, da die Chippreise bald steigen würden.

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