Schröder auf Nahostreise
Weitere Todesopfer bei Nahost-Unruhen

In Israel scheiterten politischen Kreisen zufolge erneut Bemühungen von Ministerpräsident Ehud Barak um eine Regierung der nationalen Einheit mit dem Chef der Likud-Opposition, Ariel Scharon.

Reuters GAZA-STADT/BEIRUT. Bei neuen Zusammenstößen mit der israelischen Armee sind am Sonntag im Westjordanland und dem Gaza-Streifen nach Augenzeugenberichten fünf Palästinener getötet worden. Augenzeugen im Gaza-Streifen berichteten, dort sei die Armee mit Panzern vorgerückt. Ein weiterer Palästinenser, der am Freitag schwer verwundet worden war, erlag nach Krankenhausangaben seinen Verletzungen. Die Opferzahl der seit über vier Wochen anhaltenden Unruhen stieg damit auf mindestens 145. Bundeskanzler Gerhard Schröder warb auf seiner Nahostreise in Beirut für eine Rückkehr Israels und der Palästinenser an den Verhandlungstisch. In Israel scheiterten politischen Kreisen zufolge erneut Bemühungen von Ministerpräsident Ehud Barak um eine Regierung der nationalen Einheit mit dem Chef der Likud-Opposition, Ariel Scharon.

Im Gaza-Streifen, wo die israelische Armee mit Panzern eine von Palästinensern blockierte Zufahrt zur jüdischen Siedlung Netzarim räumen wollten, erschossen die Soldaten nach Augenzeugenberichten mindestens einen Palästinenser. Mindestens elf Menschen wurden verletzt. Krankenhausangestellte teilten mit, ein zweiter Palästinenser sei bei Zusammenstößen an der Grenze zu Ägypten getötet worden. Auch im Westjordanland wurden Augenzeugen zufolge bei Nablus und Dschenin mindestens drei Palästinenser erschossen. Nach Angaben der israelischen Armee explodierte am Abend im Süden des Gaza-Streifens eine Bombe in der Nähe einer Militärpatrouille, die einen Bus mit jüdischen Siedlern begleitete. Verletzt worden sei niemand.

Schröder sagte in Beirut, es sei entscheidend, dass die Nahost-Friedensverhandlungen wieder aufgenommem würden. Die Verhandlungen sind seit Beginn der Unruhen abgebrochen. Schröder wird am Dienstag in Tel Aviv erwartet, wo er Barak treffen soll. Am Mittwoch sind in Bethlehem Gespräche mit Palästinenser- Präsident Jassir Arafat geplant. Die Bundesregierung hatte vor Schröders Reise betont, Deutschland wolle keine Vermittlerrolle zwischen den Konfliktparteien übernehmen.

Im Libanon stellte Schröder auf der zweiten Station seiner Nahost-Reise Ministerpräsident Rafik el Hariri deutsche Hilfe beim Wiederaufbau des Landes in Aussicht. Deutschland freue sich zudem, wenn es dem Libanon beim zügigen Beitritt zum wirtschaftlichen Assoziierungsabkommen mit der Europäischen Union (EU) unterstützen könne. Anders als etwa Jordanien und Tunesien hat der Libanon noch kein derartiges Handelsabkommen mit der EU gesschlossen, das den Staaten im südlichen Mittelmeerraum einen besseren Zugang zum europäischen Markt ermöglicht. Schröder hatte bereits in Ägypten gesagt, die EU sehe bei ihrem Engagement im Nahen Osten ihren Schwerpunkt in der wirtschaftlichen Stabilisierung der Krisenregion. Schröder traf später auch den libanesischen Präsidenten Emile Lahud.

In Israel hieß es aus den Kreisen, die Verhandlungen Baraks und Scharons seien erneut ohne Einigung beendet worden. Zuvor waren sie nach Angaben beider Seiten in greifbare Nähe gerückt. Unterhändler sagten, sie würden würden die Gespräche Sonntagnacht fortsetzen. Barak hatte im Juli wegen seiner Friedenspolitik mit den Palästinensern die Mehrheit im Parlament eingebüßt. Barak hatte angekündigt, auch in einer Koalition mit Likud die Friedenspolitik nicht aufzugeben. Scharon, ein strikter Gegner von Baraks Palästinenser-Politik, soll für eine Koalition unter anderem ein Vetorecht in der Friedenspolitik zur Bedingung gemacht haben. Er hat mit Neuwahlen gedroht, sollte Barak nicht auf seine Bedingungen für eine Regierung der nationalen Einheit einlassen. Das israelische Parlament, die Knesset, kehrt am Montag aus der Sommerpause zurück.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%