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Schröder-Besuch sorgt in Kabul für Streit

Zwei Tage nach der ersten Präsidentenwahl in der Geschichte Afghanistans rechnet Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) mit einem klaren Sieg von Übergangspräsident Hamid Karsai. Aus der afghanischen Wahlbehörde kam massive Kritik an Schröders Äußerungen.

dpa KABUL. Zwei Tage nach der ersten Präsidentenwahl in der Geschichte Afghanistans rechnet Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) mit einem klaren Sieg von Übergangspräsident Hamid Karsai. Aus der afghanischen Wahlbehörde kam massive Kritik an Schröders Äußerungen.

"Ich bin (...) der Auffassung, dass er es schaffen wird, und zwar in der ersten Runde", sagte Schröder am Montag in Kabul nach einem Treffen mit Karsai. "Das ist seine persönliche Meinung, die er nicht öffentlich äußern sollte", hieß es daraufhin aus der Wahlbehörde. Schröder nehme Einfluss auf einen Wahlprozess, der noch nicht abgeschlossen sei.

Die Wahl war von Unregelmäßigkeiten überschattet worden. Sie sollen nun von einer unabhängigen Kommission untersucht werden. Erste Mitglieder des internationalen Expertengremiums wurden am Montag von den Vereinten Nationen nominiert. Die Stimmenauszählung verzögerte sich wegen der Untersuchung auf unbestimmte Zeit. Ursprünglich sollte am 30. Oktober das Wahlergebnis verkündet werden.

Schröder und Karsai wiesen Kritik von Präsidentschaftskandidaten am Kanzler-Besuch kurz nach der Wahl zurück. Mehrere Amtsbewerber sahen die Visite als Parteinahme für den Wahlfavoriten Karsai. Der Kandidat Abdul Latif Pedram sagte: "Europa sollte den Demokratisierungsprozess unterstützen und nicht einen einzelnen Kandidaten." Schröder sagte, die Kritik störe ihn nicht. Karsai sei immer noch amtierender Präsident Afghanistans.

Der Kanzler sagte dem kriegszerstörten Land weitere deutsche Unterstützung zu. Die Wahl sei ein "historischer Durchbruch" und ein wichtiger Schritt zu mehr Demokratie und mehr Stabilität im Land. "Deutschland will diesen Prozess unterstützen und wird ihn unterstützen." Schröder machte klar, dass die Bundeswehr noch lange in Afghanistan benötigt werde. Kabul war die letzte Station bei der einwöchigen Asienreise des Bundeskanzlers.

Schröder lobte die Arbeit der Bundeswehr in Afghanistan und sprach den Soldaten seinen Respekt aus. "Dass die Wahl bei aller vereinzelter Kritik ohne nennenswerte Sicherheitsprobleme abgelaufen ist, ist ein großer Erfolg für die Truppe, die Führung der Truppe und ein politischer Erfolg."

Er habe "großen Respekt vor den jungen Leuten hier", sagte Schröder bei einem Besuch in Camp Warehouse, wo die meisten deutschen Soldaten stationiert sind. "Ohne deren Tätigkeit wäre das alles nicht möglich gewesen. Es sähe grausam aus in diesem Land." Er betonte: "Die Arbeit wird auch noch etliche Zeit nötig sein." Karsai bedankte sich für die "massive" deutsche Hilfe. In Afghanistan sind gut 2000 deutsche Soldaten stationiert.

Bei der Wahl knapp drei Jahre nach dem Sturz der radikalislamischen Taliban war es zu massiven Unregelmäßigkeiten gekommen. Trotz Drohungen der Rebellen hatte es aber keine größeren Zwischenfälle gegeben. Auch Karsai nannte die Wahl historisch. Schröder sagte, ohne die Internationale Schutztruppe (Isaf) und die Bundeswehr wäre die Sicherheit nicht zu gewährleisten gewesen. Nach dem Erfolg bei der Präsidentenwahl würden die nächsten Schritte bei der für kommenden April geplanten Parlamentswahl folgen.

18 Kandidaten standen am Samstag zur Wahl. Zwei von ihnen hatten zur Unterstützung Karsais aufgerufen. Nach Angaben der Vereinten Nationen kam es zu einer "beeindruckenden Wahlbeteiligung". Zahlen zur Wahlbeteiligung und erste Auszählungsergebnisse lagen am Montag noch nicht vor.

Schröder hielt sich nur rund fünf Stunden und damit eine Stunde weniger als geplant in Kabul auf. Vor Afghanistan hatte er Indien, Vietnam und Pakistan besucht. Er hatte dort unter anderem für einen ständigen deutschen Sitz im Weltsicherheitsrat geworben.

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