Schröder erneut gegen Bombardierungspause
Rumsfeld: Afghanistan ist nur der Anfang

Der Luftkrieg in Afghanistan ist nach Worten von US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld nur der Anfang im Kampf gegen den Terrorismus.

dpa WASHINGTON/ISLAMBAD/BERLIN. "Das Problem geht über Afghanistan hinaus. Afghanistan ist das erste Problem. Wir werden Terroristen-Netzwerke verfolgen, wo immer wir sie finden", sagte Rumsfeld am Montag bei einem Besuch in Indien.

Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) sprach sich erneut ausdrücklich für eine Fortsetzung der US-Luftangriffe auf Afghanistan aus. Darüber habe es auch beim inoffiziellen EU-Mini-Gipfel am Sonntagabend in London Einigkeit gegeben. Niemand habe eine Feuerpause verlangt, sagte Schröder am Montag in Berlin.

Die US-Luftwaffe flog zu Beginn der fünften Woche der Operationen in Afghanistan erneut schwere Angriffe auf Taliban-Ziele im Süden, Norden und Westen des Landes. Dabei wurden nach Meldungen der privaten afghanischen Agentur AIP mindestens elf Menschen getötet. In Kabul kamen nach Angaben des arabischen TV-Senders El Dschasira mehrere Taliban-Kämpfer ums Leben.

US-Verteidigungsminister Rumsfeld verteidigte erneut das Vorgehen in Afghanistan. "Wir konnten uns jeden Tag verbessern. Ich glaube nicht, dass es zuvor Bombardements gegeben hat, die so präzise oder militärisch wirksam waren wie diese", sagte Rumsfeld.

Washington stellt seine Afghanistan-Kriegsstrategie jetzt offenbar stärker auf die Nordallianz ab. Zunächst ging es nach Angaben von Experten vor allem darum, Luftabwehr, Nachschub und Kommunikation der Taliban möglichst weitgehend lahm zu legen. Mit der massiven Bombenoffensive solle nun versucht werden, vor Beginn des Winters den Oppositionskräften durch eine Kombination von Luftangriffen und Spezial-Bodenkommandos den Weg nach Masar-i-Scharif und dann Kabul zu ebnen. Ein Talibanvertreter in Teheran sagte, die Taliban richteten sich auf einen langen Krieg ein und hätten genug Waffen "für 25 Jahre".

Nach Angaben von US-Generalstabschefs Richard Myers haben die USA ihre Spezialkommandos in Afghanistan inzwischen deutlich erhöht. Ihre Zahl wird auch nach Erkenntnissen von Militärs im benachbarten Tadschikistan "erheblich verstärkt". "Schon in den nächsten Tagen soll das amerikanische Militärkontingent in Afghanistan auf 400 Mann ansteigen", sagte ein namentlich nicht genannter Militärexperte der Nachrichtenagentur Interfax.

Auch Italien stellt Soldaten für den Anti-Terror-Kampf bereit, wie Außenminister Renato Ruggiero am Montag ankündigte, ohne Einzelheiten zu nennen. Italienische Medien berichteten, unter anderem handele es sich um ein Panzerregiment, Marineeinheiten, Kampfflugzeuge und Spezialisten für biologisch-chemische Kriegsführung.

Bei den schweren Bombardements der US-Luftwaffe kamen nach Meldungen von AIP mindestens elf Menschen ums Leben. Unter anderem wurden der Flughafen von Herat, der Sitz des 11. Bataillons und andere militärische Einrichtungen bombardiert. Über Kabul hätten US- Kampfhubschrauber mehrere Einsätze geflogen, wobei militärische Stützpunkte im südlichen Stadtteil und im Umfeld des Flughafens beschossen worden seien. Auch Kandahar, die Hochburg der Taliban- Miliz, sei erneut unter schweren Beschuss geraten.

In Kabul bombardierten die Amerikaner ein Hotel, in dem sich Taliban-Kämpfer aufhielten. Wie El Dschasira unter Berufung auf Augenzeugen berichtete, gab es dabei mehrere Tote. Die Taliban sprachen nur von mehreren Verletzten. Nach Berichten der pakistanischen Zeitung "Dawn" warfen US-Flugzeuge auch Bomben auf drei große unterirdische Waffendepots der Taliban in der Provinz Paktia an der Grenze zu Pakistan.

UN-Generalsekretär Kofi Annan wies Vorstellungen über ein UN - Protektorat für Afghanistan entschieden zurück. "Die UN können die Bildung einer Regierung in Afghanistan technisch unterstützen, sie können jedoch nicht eine afghanische Regierung ersetzen", sagte er der Tageszeitung "Le Figaro" (Montagausgabe) in Paris.

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