Schröder erwägt Reise nach Afghanistan
Ex-König wird zum Hoffnungsträger in Kabul

Zahir Shah ist am Donnerstag in Kabul von Politikern und Stammesfürsten empfangen worden. Er kommt nur wenige Tage, nachdem die ersten Wahlmänner für die Loya Jirga aufgestellt wurden.

bi/cap DELHI/DÜSSELDORF. Der afghanische Ex-König Zahir Shah ist nach 29 Jahren in seine Heimat zurückgekehrt und vom afghanischem Kabinett und einer Reihe von Stammesfürsten begrüßt worden. Einige tausend Afghanen säumten die Straßen zu seinem neuen Wohnort. Der 89-jährige Zahir Shah kommt kurz nach dem Beginn der Nominierung der Wahlmänner zur Großen Ratsversammlung, der Loya Jirga, die nach Angaben eines Uno-Mitarbeiters in Kabul erfolgreich und ruhig angelaufen sei. Viele Afghanen versprechen sich von der Rückkehr des Ex-Königs eine politische Stabilisierung des Landes. Zahir Shah soll die Ratsversammlung im Juni eröffnen.

Der Ex-König wurde von Afghanistans Interimspremier Hamid Karsai und Vertretern der italienischen Regierung begleitet. In seinem Gefolge befanden sich auch seine drei Söhne. Seine Gattin Homaira verzichtete aus Gesundheitsgründen auf eine Rückkehr in die Heimat.

Die Sicherheit des Ex-Monarchen sollen u.a. eine Truppe italienischer Carabinieri gewährleisten. Diese werden drei Monate lang Zahir Shahs Leibwache stellen. Ferner wird er in seiner gemieteten Villa im Diplomatenviertel der Hauptstadt von 150 Mann einer Sondereinheit der afghanischen Polizei beschützt. Die Sicherheitsvorkehren in Kabul waren in den letzten Tagen verstärkt worden. Auch die internationale Sicherheitstruppe Isaf hat ihre Patrouillen intensiviert.

Auf einer Versammlung von rund 3 000 Paschtunen, Usbeken und Turkmenen in der Provinz Jowzjan im Norden des Landes habe bei der Nominierung der Wahlmänner "Volksfeststimmung" geherrscht, sagte ein Uno-Mitarbeiter. In den kommenden fünf Wochen werden die Wahlmänner der weiteren 390 Wahldistrikte bestimmt. Im Juni werden von den Volksrepräsentanten die Mitglieder der Loya Jirga gewählt.

Gerüchte, wonach es bei der Aufstellung der Wahlmänner zu Bestechungsversuchen komme, wurden von einem Uno-Mitarbeiter bestätigt. Es würde viele Hinweise geben, dass Geld im Umlauf sei, um die Wahlen zu beeinflussen. " Wir hoffen, dass sich die Afghanen nicht beeinflussen lassen und der Wunsch nach gerechten Wahlen nach 23 Jahren Krieg größer ist als der Reiz des Geldes", so ein Uno-Vertreter. Direktes Verfolgen von Bestechungsvorwürfen könne man nicht leisten. Statt dessen sei die Förderung einer breiten Öffentlichkeit für das Land wichtig. Eine besondere Rolle würden dabei die Medien spielen. Den staatlichen Rundfunk empfangen bisher nur 50 % der Bevölkerung.

In Luxemburg appellierten die Außenminister der EU an die afghanische Übergangsregierung, für eine Stabilisierung der afghanischen Währung zu sorgen. Erst dann könnten die zugesagten Finanzmittel der EU freigegeben werden. Die Union befürchtet, dass Afghanistan sich der Geldnoten-Presse bedienen könnte, was zwangsläufig die Inflation anheizen könnte. Eine weitere Gefahr für die Währungsstabilität sind gefälschte Banknoten der Landeswährung Afghani, so ein Uno-Mitarbeiter.

Der EU-Ministerrat beschloss, dass der außenpolitische Koordinator der EU, Javier Solana, und EU-Außenkommissar Chris Patten nach Kabul reisen sollen. Hintergrund der Brüsseler Befürchtungen ist der Beschluss der Regierung Karsai, den Staatshaushalt nicht in US-Dollar, sondern in der Landeswährung zu berechnen.

Auch Gerhard Schröder wird möglicherweise im Mai nach Afghanistan reisen. Dazu gebe es "Vorüberlegungen", sagte eine Regierungssprecherin.

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