Schröder gegen Stoiber
TV-Kampf der Titanen

Mit scharfen gegenseitigen Angriffen haben sich Gerhard Schröder (SPD) und Edmund Stoiber (CSU) beim ersten Fernsehduell zwischen einem Bundeskanzler und seinem Herausforderer voneinander abgegrenzt.

HB/dpa BERLIN. In der Steuer-, Arbeitsmarkt- und Zuwanderungspolitik warfen sich beide Politiker am Sonntag vor einem Millionenpublikum in den privaten TV-Sendern RTL und SAT 1 Versagen vor. Blitzumfragen nach der Sendung ergaben ein uneinheitliches Bild: Einige sahen Schröder als Sieger, andere Stoiber. In einer weiteren Umfrage schnitten beide Kandidaten ausgeglichen ab. SPD und Union werteten die Auftritte ihrer Kandidaten jeweils als Erfolg.

Am 8. September kommen Schröder und Stoiber zum zweiten und letzten TV-Duell bei ARD und ZDF erneut zusammen. Vor laufenden Fernsehkameras flammte der Streit über die Finanzierung des Wiederaufbaus nach der Flut erneut auf. Während Schröder die Verschiebung der Steuerreform als richtiges Signal bezeichnete, nannte Stoiber sie falsch für die Konjunktur. "Der Bundeskanzler neigt dazu, bei Krisen sofort die Steuern zu erhöhen", sagte der bayerische Ministerpräsident. Er erneuerte dennoch das Angebot, die Verschiebung der Steuerreform zunächst mitzutragen, nach einem Wahlsieg aber einen anderen Weg der Finanzierung einzuschlagen.

Stoiber hielt Schröder vor, Schuld an der Arbeitslosigkeit seien vor allem Fehler von Rot-Grün. Schröder wies dies zurück und hielt Stoiber im Gegenzug vor: "Sie versprechen ja allen alles." Schröder wandte sich gegen Kritik Stoibers am rot-grünen Zuwanderungsgesetz. Damit sei die Möglichkeit geschaffen worden, Zuwanderung sinnvoll zu begrenzen. Stoiber entgegnete, das Gesetz bedeute mehr Zuwanderung. Beide Politiker lehnten eine große Koalition nach der Wahl am 22. September ab. Schröder sagte, es werde keine Zusammenarbeit mit der PDS geben.

Der Kanzler bekräftigte, er halte eine militärische Intervention im Irak für falsch, und schloss eine Beteiligung deutscher Soldaten an einem US-Militärschlag aus. Stoiber warf Schröder dagegen vor, den Druck auf Iraks Machthaber Saddam Hussein verringert zu haben.

Laut einer unmittelbar nach dem TV-Duell veröffentlichten ARD - Blitzumfrage wirkte Schröder überzeugender: Demnach stimmten 43 Prozent der Zuschauer für Schröder und 33 Prozent für Stoiber als Kanzler. In einer Forsa-Umfrage sprachen sich in der Frage nach der Sympathie 57 Prozent für Schröder und 35 Prozent für Stoiber aus. 48 Prozent beurteilten Schröder kompetenter als Stoiber (41 Prozent). Bei einer Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen schnitt der CSU-Chef dagegen mit 37 Prozent Zustimmung besser ab als der Kanzler mit 35 Prozent. Infratest dimap sah ein eher ausgeglichenes TV-Duell zwischen Schröder und Stoiber.

SPD-Generalsekretär Franz Müntefering sagte nach der Übertragung: "Ich bin sicher, die guten Umfragetrends der letzten Tage haben sich heute Abend bestätigt." Stoiber habe versucht, zu "kritteln" und das Land herunterzureden.

Für CDU-Wahlkampfmanager Michael Spreng hat dagegen Stoiber "die entscheidenden Punkte gemacht". Vor allem bei Fragen zur Flutkatastrophe und zur Arbeitslosigkeit habe er sich deutlich von Schröder abgesetzt. CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer sagte, Stoiber sei "locker und mit guten Argumenten" aufgetreten, Schröder sei "die ganze Zeit in der Defensive" gewesen.

Schröder und Stoiber waren kurz vor 19:00 Uhr im Studio B in Berlin-Adlershof eingetroffen. Schröder kam direkt aus Dresden, wo er an einem ökumenischen Gottesdienst zum Gedenken an die Hochwasser- Katastrophe teilgenommen hatte. Gegen 20:30 Uhr betraten die Kontrahenten durch zwei verschiedene Türen das Studio. Aus Sicht der Fernsehzuschauer stand Schröder rechts, Stoiber links. Nach einer Präsentation von etwa einer viertel Stunde stellte Moderator Peter Kloeppel dem Kanzler die erste Frage. Stoiber hatte auf eine Frage von Ko-Moderator Peter Limbourg das Schlusswort.

Für jedes Thema waren höchstens sieben Minuten vorgesehen. Schröder und Stoiber hatten für ihre Antworten je 90 Sekunden Zeit. Pro Antwort waren zwei Nachfragen möglich, die Antwort darauf durfte je Kandidat 60 Sekunden nicht überschreiten. Ein rotes Licht am Pult signalisierte zehn Sekunden zuvor den Ablauf der Redezeit.

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