Schröder in der Kanzlergalerie
„Sie werden neben mir hängen“

Die Kanzlergalerie ist um einen goldenen Schröder reicher. Seit dem gestrigen Dienstag hängt das ikonenhafte Porträt Gerhard Schröders, das der Maler Jörg Immendorff kurz vor seinem Tode geschaffen hatte, neben den anderen Altkanzlern im ersten Stock des Kanzleramtes. Seine Einweihung geriet zu einem verbalen Scharmützel zwischen Schröder und der amtierenden Kanzlerin.

BERLIN. Helmut Schmidt ist Schuld. Der hatte die Idee, mit einer Kanzlergalerie aller Welt die Kontinuität der bundesdeutschen Demokratie zu demonstrieren. Und deshalb stehen am Dienstag gut hundert Journalisten im ersten Stock des Bundeskanzleramtes und warten darauf, dass die Kanzlerreihe ein Stück verlängert wird - mehr Journalisten als bei jedem Koalitionsausschuss, obwohl es dabei oft um Milliarden Euro Umverteilung und nicht nur um ein Bild geht.

Doch das politische Sommerloch hat bereits begonnen. Und es geht nicht um irgendein Bild, sondern das ikonenhafte, goldene Porträt Gerhard Schröders, das der Maler Jörg Immendorff kurz vor seinem Tode geschaffen hatte. Als die Polit-Prominenz endlich eintrifft, hängt der "goldene Gerd" schon an der Wand. Und neugierig verfolgen alle, wie der SPD-Altkanzler und die CDU-Neu-Kanzlerin, die Kontrahenten vergangener politischer Schlachten, aufeinander treffen. Es geht um den endgültigen Abschluss der Kanzlerschaft Schröder, vom Wechsel aus der Gegenwart in die Ahnenreihe.

"Nun werden Schulklassen nicht mehr fragen müssen, ?Warum wird Schröder nicht aufgehängt??", frotzelt Angela Merkel.

Dabei hatte die kurze Zeremonie ernsthaft begonnen. Kanzleramtschef Thomas de Maizìere dankt der Witwe des Malers und dem Spender Schröder, der das Bild dem Kanzleramt und damit der Allgemeinheit geschenkt hat. Dass alle anderen "aufgehängten" Altkanzler für das Bild etwas Platz machen mussten, erwähnt er nicht. Die Symmetrie an der Wand muss schließlich gewahrt bleiben. Immerhin schauen sich rund 100 000 Besucher jährlich die Ahnengalerie der deutschen Politik an.

Aber als Schröder dann ans Pult tritt, wird schnell klar, wieso Immendorff gerade ihn Gold schimmernd gemalt hat. Erst dankt er artig, auch seinen beiden alten Mitstreitern Bundesaußenminister Frank Steinmeier-Walter und Vizekanzler Franz Müntefering, die er extra zu der kleinen Zeremonie mitgebracht hat und die nun neben der Kanzlerin und ihrem Kanzleramtschef stehen. "Auf Franz konnte ich mich immer verlassen", fügt Schröder hinzu.

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