Schröder kontra Stoiber
Wer hat Angst vor dem TV-Duell?

Schröder gegen Stoiber - der Wahlkampf, den die SPD zum Duell zwischen Kanzler und Kandidaten machen will, wird an diesem Donnerstag im Bundestag bei der Nahost-Debatte eine erste Konfrontation erleben.

dpa BERLIN. Erstmals wird Edmund Stoiber als Kanzlerkandidat versuchen, Schröder im Hohen Haus Paroli zu bieten. Der vielleicht für den Wahlausgang am 22. September wichtigere Termin findet jedoch zwei Stunden nach dem Auftakt der Bundestagssitzung um 11.00 Uhr im Berliner Luxus-Hotel Four Seasons statt. Als stünden Friedensverhandlungen auf dem Programm treffen sich dort auf "neutralem Boden", so Stoibers Medienberater Michael Spreng, die Unterhändler der beiden Rivalen nebst den Verantwortlichen der vier größten Fernsehsender. Nach Äußerungen im Vorfeld des Mediengipfels soll bei dem Termin nun über die zwei geplanten TV-Duelle zwischen Schröder und Stoiber entschieden werden.

Eigentlich könnte alles einfach sein. Stoiber sagt: "Ich würde mich auf eine sachliche Auseinandersetzung freuen." Auch Schröder ist bereit. Doch über das Wie, Wo und vor allem Wann sind sich die Kontrahenten überhaupt nicht grün. Schröders Mannen wollen einen Termin zu Beginn und am Ende der heißen Wahlkampfphase und haben den 2. und 20. September vorgeschlagen. Nach Ansicht von Regierungssprecher Bela Anda geht es vor dem 2. September nicht, weil dann wegen der Ferien in Nordrhein-Westfalen und Bayern ein "gutes Drittel der Deutschen die Sendung nicht verfolgen kann". Und zwischen den Duellen müsste noch ein "Zeitfenster" liegen, damit sich die Inhalte nicht wiederholen.

Kern der Gedanken im Schröder-Lager ist: "Medienkanzler" Schröder will sich die Chance erhalten, mit einem Sieg im TV-Duell das Blatt noch zu wenden. Der Kanzler, so heißt es, "ist sich sicher, dass er hier Stoiber überlegen ist und vielleicht die entscheidenden Prozentpunkte holen kann".

Stoiber will das US-amerikanische Modell durchsetzen. Danach würde es drei Wochen vor der Wahl den finalen TV-Wettstreit geben. "Stoiber hat keine Angst", versichert Spreng immer wieder. Doch auf den 20. September will er sich nicht einlassen. "Der 20. September geht ohnehin nicht, da dann die Abschlusskundgebungen sind." Mit der Drei-Wochen-Frist will er erreichen, dass im letzten Moment "keine große Lüge verbreitet wird" - eine Behauptung, die man zwei Tage bis zur Wahl nicht mehr entscheidend widerlegen könne.

Vor dem Termin wurden kleine Spitzen ausgetauscht. SPD - Bundesgeschäftsführer Matthias Machnig meint: "Wir haben den Eindruck, Stoiber kneift." Spreng kontert: Wer so starr an seinen Terminen festhalte, "der will das Ereignis platzen lassen".

Die TV-Anstalten haben sich bereits geeinigt. Ohne Konkurrenzgehabe verständigten sie sich darauf, dass ARD und ZDF für ein Duell, RTL und SAT1 für das andere verantwortlich sind. In welchem Rahmen das Ganze stattfindet, da sind die Sender offen. Nicht jeden Wunsch der Spitzenkandidaten wollen sie aber erfüllen. "Die Sendeverantwortung haben wir", sagt ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender. Er ist optimistisch, dass das politische TV-Ereignis des Jahres auch stattfindet. "Es bewegt sich was. Ich bin sicher, die Duellanten werden sich finden." Vielleicht einigen sich die Parteien auf einen Kompromiss, den WDR-Intendant Fritz Pleitgen kürzlich vorschlug. Man könne Freitag, den 13. nehmen. Das sei fair gegenüber beiden. "Jeder hat dann eine Ausrede, wenn etwas daneben gegangen ist."

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