Schröder mahnt zu Vernunft
IG Metall setzt große Warnstreikwelle fort

Mit Protestaktionen in mehreren Bundesländern hat die IG Metall am Dienstag die angekündigte große Warnstreikwelle fortgesetzt. Allein in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland waren insgesamt rund 70 000 Metaller in 140 Betrieben zu Warnstreiks aufgerufen.

ap FRANKFURT. Im Bezirk Küste sollten unterdessen die Tarifverhandlungen in die vierte Runde gehen. Bundeskanzler Gerhard Schröder rief Gewerkschaft und Arbeitgeber zu tarifpolitischer Vernunft auf. Er habe die Hoffnung, dass das mit gutem Willen auf beiden Seiten gelinge, sagte Schröder am Montagabend nach einem Treffen mit dem Vorstand der IG Metall in Magdeburg. Es habe aber niemand Anlass, davon auszugehen, dass wirtschaftliche Vernunft nicht Kennzeichen der Tarifpolitik sei. Eine Forderung sei eine Forderung und kein Abschluss.

Zuvor hatte IG-Metall-Chef Klaus Zwickel mit Urabstimmung und der Vorbereitung zum Arbeitskampf gedroht, falls es in den nächsten zwei Wochen nicht zu Verhandlungsergebnissen komme. Das solle mit den derzeitigen Warnstreiks bereits deutlich gemacht werden, sagte Zwickel zu Beginn einer Klausurtagung des Vorstandes der IG Metall in Magdeburg, auf der am (heutigen) Dienstag ein Positionspapier zur Bundestagswahl verabschiedet werden sollte.

In Bayern begann bereits Dienstagnacht um 04.00 Uhr bei Audi in Ingolstadt der erste Warnstreik. Rund 5 000 Beschäftigte der Dauernachtschicht verließen zwei Stunden vor dem regulären Arbeitsende ihre Arbeitsplätze, wie IG-Metall-Sprecher Siegfried Hörmann mitteilte. Zu einer Kundgebung am Vormittag bei Audi wurden weitere 10 000 Warnstreikende erwartet. Insgesamt sollten in Bayern 30 000 Metaller in 60 Warnstreiks treten.

In Baden-Württemberg legten am Dienstagmorgen mehrere 100 Menschen in Stuttgart bei Werner und Pfleiderer die Arbeit kurzzeitig nieder, wie die Gewerkschaft mitteilte. Insgesamt waren in dem Bundesland 20 000 Metaller zum Warnstreik aufgerufen. Schwerpunkte der Aktionen sollten DaimlerChrysler in Esslingen und Gaggenau sowie Bosch in Reutlingen sein.

Die Tarifverhandlungen für die 820 000 Beschäftigten waren am Montag auf 15. April vertagt worden. In die Gespräche war es zu einer ersten Annäherung über einen Einstieg in die gleiche Bezahlung von Arbeitern und Angestellten gekommen. Die Gewerkschaft fordert im Gesamtvolumen 6,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt. Die Arbeitgeber bieten dagegen Erhöhungen von zwei Prozent für das laufende und das kommende Jahr.

Bei den Verhandlungen im Tarifbezirk Küste kann es nach Gewerkschaftsangaben zu einer Nachtsitzung kommen, da die Arbeitnehmer bei der angestrebten Gleichstellung von Arbeitern und Angestellten einen Durchbruch in der umstrittenen Frage der Kostenneutralität erreichen wollen.

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