Schröder profilierte sich als Außenpolitiker
"Mein alter Freund, der mal rüber gekommen ist"

Im Nieselregen am John-F.-Kennedy-Airport musste der Bundeskanzler eine Weile warten, bis seine Auto-Kolonne ihn abholte. Das verdarb ihm die Abendlaune am Donnerstag nicht, denn der Wagen, mit dem er durch New York gefahren wurde, war ein funkelndes Objekt deutscher Hochtechnologie.

ap WASHINGTON. Volkswagen-Chef Bernd Pischetsrieder hatte einen gepanzerten schwarzen VW Phaeton aus der gläsernen Manufaktur in Dresden über den Großen Teich geschafft und war auch gleich selbst mitgekommen, um das edle Gefährt den Staats- und Unternehmenslenkern beim Weltwirtschaftsforum zu zeigen.

Für die ganz zufällig in besonders großer Zahl vorhandenen Kameraleute stieg er sogar noch einmal aus dem Zwölfzylinder aus und ließ sich hinter dem schwarz-rot-goldenen Stander am Kotflügel in der schwarzen Niesel-Nacht ablichten. Damit hatte Schröder auf dem kurzen Trip in die Vereinigten Staaten zeitlich ausgewogen den Grundstein für zwei Wahlkampf-Sachgebiete gelegt, auf denen er sich sicher fühlt: der Außenpolitik und dem Kontakt mit den Chefs.

Auf dem Weg zur Weltwirtschaftskonferenz im Waldorf-Astoria-Hotel hatte Schröder früher an diesem Abend bei US-Präsident George W. Bush im Weißen Haus vorbeigeschaut. Der Texaner ging auf diese lockere Perspektive ein, als er sein Statement vor der Weltpresse nach der ersten Gesprächsrunde mit einem freundschaftlichen Schulterklopfen und der Charakterisierung einleitete: "... mein alter Freund, der mal rüber gekommen ist, um Hallo zu sagen". Bei Wild und Reis zum Dinner - "das Essen war gut", verrieten Regierungskreise - wurde dann die außenpolitische Lage vertieft.

Bush war überrascht

Bush soll dem Vernehmen nach überrascht gewesen sein zu erfahren, dass sich der Kanzler im September einer Wahl stellen muss. Spätestens wenn er im Laufe dieses Jahres den Kandidaten Edmund Stoiber empfängt, wird es ihm wieder vor Augen geführt werden. So oft Schröder mit den Arbeitgeber-Verbandsvertretern etwa im Bündnis für Arbeit seine Probleme hatte, als sie ihn vor einigen Tagen zur Parteinahme in der Tarifpolitik bewegen wollten, so gut verstand er sich mit den großen Unternehmenslenkern, die er meist für sich gewinnen kann. Daher fand er auf seinem USA-Trip Zeit, Mega-Bosse zu treffen: Steve Case, Chef des Medienmultis AOL Time Warner, einer der mächtigsten Männer der New Economy und wichtiger Gegenspieler von Bill Gates war es in Washington. In New York sollte es zum Abschluss der zweitägigen Reise Boeing-Chef Phil Condit sein.

Beide dürften ihm ebenso wie Bush von ersten Anzeichen eines amerikanischen Wirtschaftsfrühlings berichtet haben. So fiel es dem Kanzler sicher leicht, dem Präsidenten Bush für seinen Erfolg zu beglückwünschen, "die ökonomische Situation in den USA voranzubringen". Die Magnolienbäume im Rosengarten des Weißen Hauses kündeten schon mit ziemlich großen Knospen vom nahenden Frühling. Hoffnungen, dass es auch ein Konjunkturfrühling werden könnte, dämpfte der Kanzler vorsichtshalber. Im Sommer wird er mit Bush beim G-8-Gipfel in den kanadischen Rockies Bilanz ziehen können.

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