Schröder ruft zu Vernunft auf
Tarifrunde wird zum Konjunkturrisiko

Ökonomen halten schon Lohnsteigerungen von unter zwei Prozent für gefährlich und mahnen moderate Abschlüsse an. Das ergab eine Handelsblatt-Umfrage.

HB DÜSSELDORF. Die bevorstehende Tarifrunde in der Metallindustrie und in anderen großen Branchen droht die Konjunktur im Wahljahr 2002 ernstlich zu belasten. Volkswirte werteten in einer Handelsblatt-Umfrage schon Lohnsteigerungen von unter zwei Prozent als gefährlich. Neben der IG Metall, die sich heute wohl für eine Tarifforderung von fünf bis sieben Prozent aussprechen wird, will auch die Gewerkschaft Verdi die moderate Tarifpolitik aufgeben. Kanzler Gerhard Schröder (SPD) rief die Tarifparteien zur Vernunft auf.

Nach dem Urteil von Martin Hüfner, Chefvolkswirt der Hypo-Vereinsbank, wären bereits Lohnsteigerungen von über einem Prozent nicht vertretbar. "Die Arbeitnehmer dürfen sich nicht auf Kosten der Arbeitslosen bedienen", warnt er. Ähnlich äußert sich Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Norbert Walter: In der Rezession und bei Inflationsraten von 1,5 Prozent seien Lohnsteigerungen von über zwei Prozent schon in Ländern mit geringer Arbeitslosigkeit ein "unmögliches Verhalten der Tarifparteien". Vorsichtiger urteilen Michael Hüther von der DGZ Deka-Bank und Klaus F. Zimmermann, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. "Eine Drei vor dem Komma", so Hüther, "wäre Gift für die Konjunktur." Zimmermann sieht drei Prozent als "absolute Obergrenze" an; höhere Löhne "wirken bestimmt nicht konjunkturbelebend".

Vom Bündnis für Arbeit ist diesmal kein mäßigender Einfluss zu erwarten. Zwar beteuerten Regierung, Wirtschaftsverbände und Gewerkschaften erneut einhellig, sie wollten das Bündnis fortsetzen. Schärfer als bisher verwahren sich die Gewerkschaften aber dagegen, die Tarifpolitik zu thematisieren. Man werde sich "nicht in ein Korsett volkswirtschaftlicher Rahmenbedingungen zwingen lassen", erklärte Verdi-Vize Margret Mönig-Raane.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%