Schröder sieht robustes Wachstum
Handwerksleistung rückläufig

Die Bundesregierung hält trotz zunehmender Anzeichen für ein Nachlassen der weltweiten Konjunktur an ihren optimistischen Wachstumsprognosen fest.

dpa MÜNCHEN. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) sagte am Dienstag nach dem traditionellen Spitzentreffen mit der deutschen Wirtschaft in München, die Bundesrepublik befinde sich auf einem "robusten Wachstumspfad."

Dagegen warnten die Präsidenten der Bundesverbände von Industrie, Handel und Handwerk, die Wirtschaft gerate in schwierigeres Fahrwasser. Sie forderten von der rot-grünen Bundesregierung durchgreifende wirtschaftliche und gesellschaftliche Reformen.

An dem Gespräch am Rande der Internationalen Handwerksmesse in München nahmen Arbeitgeber-Präsident Dieter Hundt und die Präsidenten des Deutschen Industrie- und Handelstages (DIHT), Ludwig Georg Braun, des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), Dieter Philipp, sowie des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Michael Rogowski, teil.

Kritik an Reformprojekten der Regierung

In einer gemeinsamen Erklärung übten die Bundesverbände deutliche Kritik an zahlreichen Reformprojekten der rot-grünen Bundesregierung. Sie forderten, die geplante Mitbestimmungsreform für Betriebe bis 300 Beschäftigte auszusetzen. Schröder betonte, eine Änderung der bereits vom Kabinett verabschiedeten Mitbestimmungsreform komme nicht in Frage.

"Der deutsche Arbeitsmarkt leidet an zunehmender Verkrustung", hieß es in der gemeinsamen Erklärung der Verbände. Das Wirtschaftswachstum des vergangenen Jahres dürfe nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die Stimmung verschlechtere. Schröder betonte dagegen, im letzten Quartal 2000 habe sich zwar eine "Konjunkturdelle" ergeben, die aber in diesem Jahr aufgearbeitet werden könne. Der Union warf er vor, den wirtschaftlichen Aufschwung "herunterzureden".

Der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Friedrich Merz erklärte zu dem Treffen in München, die Spitzenvertreter der Wirtschaft hätten angesichts der erlahmenden Konjunktur zu recht die Wirtschafts- und Sozialpolitik der Bundesregierung kritisiert. "Um zu einer durchgreifenden Verbesserung der Arbeitsmarktlage zu kommen und um damit die große Chance der gegenwärtigen Konjunktur zu nutzen, sind Reformen auf dem Arbeitsmarkt erforderlich", sagte Merz.

Wirtschaftsleistung um 0,7 % eingebrochen

Die Wirtschaftsleistung des deutschen Handwerks ist statt eines erwarteten Wachstums von 1 % im vergangenen Jahr um 0,7 % eingebrochen. Der Handwerkspräsident Philipp, sagte der "Financial Times Deutschland" (Dienstag): "Das ist dramatisch." Er verlangte eine Verbesserung der politischen Rahmenbedingungen für das Handwerk.

Unterdessen stieg die jährliche Inflationsrate im Februar auf 2,6 %, nach 2,4 % im Vormonat. So stark war der Preisauftrieb zuletzt Ende 1994. Dies berichtete das Statistische Bundesamt am Montag in Wiesbaden. Der unerwartet starke Schub wurde in erster Linie von dem neuerlichen Auftrieb an den internationalen Ölmärkten beeinflusst. Zusätzlich belastet werden die Geldbeutel der Verbraucher von den Folgen der BSE-Krise.

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