Schröder soll Einfluss auf Arafat nehmen
Clinton schlägt getrennte Nahost-Friedensgespräche vor

Die Gespräche sollen einzeln mit Israels Ministerpräsident und dem Palästinenser-Führer in Washington stattfinden. Schröder soll beim geplanten Nahost-Besuch seinen Einfluss auf Arafat ausüben.

Reuters WASHINGTON. Angesichts der anhaltenden Unruhen in den Palästinensergebieten bemüht sich US-Präsident Bill Clinton um ein weiteres Nahost-Treffen. Das Präsidialamt teilte am Dienstag mit, Clinton habe mit Palästinenser-Präsident Jassir Arafat die Möglichkeit getrennter Gespräche mit Israels Ministerpräsident Ehud Barak in Washington erörtert. Clinton habe Arafat auch zur Einhaltung der Gipfelvereinbarung von Scharm el Scheich aufgefordert, die zum Ende der Gewalt führen soll. Barak rief derweil Bundeskanzler Gerhard Schröder auf, bei seinem anstehenden Nahost-Besuch auf Arafat einzuwirken, die Gewalt zu beenden und an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Bei den seit knapp vier Wochen anhaltenden Unruhen sind mittlerweile 131 Menschen umgekommen.

Arafat nicht bereit, sich mit Barak an einen Tisch zu setzen

Der Sprecher des Nationalen Verteidigungsrates des Präsidialamtes, P.J. Crowley, sagte, Clinton habe an Arafat appelliert, sich an die vor einer Woche beim Krisengipfel im ägyptischen Scharm el Scheich getroffenen Vereinbarungen zu halten. Aus palästinensischen Kreisen verlautete, da Arafat nicht bereit sei, sich mit Barak an einen Tisch zu setzen, seien getrennte Gespräche Clintons mit den beiden Politikern vorgesehen.

Barak bittet Schröder und Putin um Einflussnahme auf Arafat

Barak sagte dem Hamburger Magazin "Stern" laut Vorabbericht, er erwarte von Bundeskanzler Schröder, dass er zusammen mit den europäischen Regierungen seinen Einfluss auf Arafat nutze, "damit er (Arafat) die Gewalt beendet und an den Verhandlungstisch zurückkehrt". Es scheine jedoch so, als ob Arafat - zumindest im Augenblick - nicht reif für den Frieden sei. Schröder wird am Samstag zu einem dreitägigen Besuch im Nahen Osten erwartet.

Unterdessen bat Barak nach Angaben seines Büros auch den russischen Präsident Wladimir Putin und den britischen Premierminister Tony Blair darum, ihren Einfluss auf Arafat zu nutzen und ihn zu einer Beendigung der Gewalt zu drängen. Russland ist mit den USA Schirmherr der 1993 aufgenommenen Nahost-Friedensverhandlungen, die seit Beginn der Unruhen vollständig unterbrochen sind.

Israel und Palästina rechnen mit andauernden Unruhen

Von israelischer und palästinensischer Seite verlautete, man rechne mit einer längeren Dauer der Unruhen im Westjordanland und im Gaza-Streifen. Die Armee gehe nicht davon aus, dass die Unruhen kurzfristig enden würden, sagte ein Sprecher. Die palästinensische Seite machte Barak dafür verantwortlich, dass sich der Aufstand hinziehen werde.

Die Auseinandersetzungen in den Palästinensergebieten gingen derweil mit unverminderter Härte weiter. Am Dienstagabend nahm die israelische Armee die Ortschaft El Bireh im Westjordanland unter Panzer-Beschuss und zerstörte dabei nach eigenen Angaben ein Gebäude. Es sei zuvor von Palästinensern benutzt worden, die die jüdische Siedlung Psagot angegriffen hätten. Bei Protestmärschen wurden im Gaza-Streifen ein 16-Jähriger und in Dschenin im Westjordanland ein 22-Jähriger getötet.

USA warnt ihre Bürger vor Israel-Reisen

Aus Furcht vor Terroranschlägen warnten die USA derweil ihre Bürger vor Reisen nach Israel und in das Westjordanland. Das US-Außenministerium sprach von einer erhöhten Bedrohung durch Terroristen. Die US-Einheitenam Golf waren bereits zuvor wegen der Gefahr möglicher Terroranschläge in höchste Alarmbereitschaft versetztworden. Bei einem Selbstmordanschlag auf das US-Kriegsschiff "Cole" im Hafen der jemenitischen Stadt Aden waren am 12. Oktober insgesamt 17 Besatzungsmitglieder getötet und 30 weitere verletzt worden

Rechts-konservativer Scharon nannte seine Bedingungen

Der Chef der rechts-konservativen Likud-Opposition, Ariel Scharon, nannte im israelischen Fernsehen seine Bedingungen für einen möglichen Eintritt in eine Notstandsregierung in Israel. Falls Arafat einen Palästinenserstaat ausrufe, müsse Israel Teile des Westjordanlandes annektieren, sagte Scharon. Nach einem Bericht des israelischen TV-Senders Channel Two hat Barak im israelischen Kabinett bereits darüber nachgedacht, bei der einseitigen Ausrufung eines Palästinenserstaates bis zu zehn Prozent des Westjordanlandes zu annektieren. Eine Annexion von Land, dass 1967 besetzt wurde, würde nach Ansicht von Beobachtern wahrscheinlich das endgültige Ende des von Israel bereits ausgesetzten Friedensprozesses mit den Palästinensern bedeuten.

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