Schröder trifft bald Blair: Berlin schlägt Brücken nach Washington

Schröder trifft bald Blair
Berlin schlägt Brücken nach Washington

Mit dem absehbaren Ende des von den USA und Großbritannien geführten Irak-Krieges bricht auch eine Zeit der Reparaturarbeiten am schwer beschädigten deutsch-amerikanischen Verhältnis an. Die rot-grüne Bundesregierung gibt sich pragmatisch, nachdem sie den Krieg nicht hat verhindern können.

HB/dpa BERLIN. In der Debatte um die Rolle der Vereinten Nationen beim Wiederaufbau des Irak sind aus Berlin kompromissbereite Töne zu vernehmen. Eine Vereinbarung müsse den "Stempel der Zustimmung" der UN tragen, hieß es in Diplomatenkreisen. Berlin pocht auf eine zentrale Rolle der UN, schlägt aber weniger scharfe Töne in Richtung USA an wie sie etwa aus Paris oder Moskau zu vernehmen sind.

Nach dem von der Opposition als "Achsenbildung" kritisierten Dreiertreffen von Bundeskanzler Gerhard Schröder, Frankreichs Präsidenten Jacques Chirac und Russlands Präsidenten Wladimir Putin in St. Petersburg widmet sich der Kanzler an diesem Dienstag intensiv dem Verhältnis zu Großbritannien.

Zu einem vorösterlichen Treffen kommen Schröder und der britische Premier Tony Blair in Hannover zusammen und beraten über die Lage im Irak. Die Zeichen stehen auf Annäherung. So sprach sich der britische Verteidigungsminister Geoff Hoon bereits dafür aus, Deutschland solle sich am Wiederaufbau des Irak beteiligen. Klar ist auch, dass Blair als engster Verbündeter der USA den besten Kontakt zu US-Präsident George W. Bush hat.

Schwerer dürfte es hingegen sein, die Leitung zwischen dem Kanzler und US-Präsident George W. Bush wieder herzustellen. Zwischen den Außenministern Joschka Fischer (Grüne) und Colin Powell ist der Gesprächsfaden trotz des Irak-Zerwürfnisses nicht abgerissen. Beide stehen "in ständigem engen Kontakt", heißt es im Auswärtigen Amt. Und sie telefonierten auch bereits nach dem Fall der irakischen Hauptstadt Bagdad vergangene Woche.

Struck gibt sich optimistisch

Anfang Mai will außerdem Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) seinen US-Kollegen Donald Rumsfeld in Washington treffen. Struck gibt sich optimistisch, dass die Gräben zwischen den USA und Europa überwunden werden können. Die eindeutige Position Deutschlands in der Irak-Frage habe ein anderes Selbstbewusstsein der Deutschen und der Europäer gezeigt, sagte er dem "Tagesspiegel". "Die Amerikaner haben das inzwischen auch akzeptiert."

Zum ersten Treffen Schröder-Bush nach dem Irak-Krieg wird es wohl Anfang Juni im französischen Evian beim Wirtschaftsgipfel der großen Industrienationen (G-8) kommen. Zuletzt waren sich der Kanzler und der US-Präsident im November beim NATO-Gipfel in Prag begegnet. Größtes Aufsehen erregte damals ihr Händedruck nach wochenlanger Eiszeit.

Ob und welche Erwartungen Washington an Deutschland hat, um einen Neubeginn zu ermöglichen, ist noch unklar. Doch das Interesse an einer Normalisierung der Beziehungen ist auch in Washington vorhanden. Wobei zu bezweifeln sein dürfte, dass Bush dem Kanzler wie bei seinem Berlin-Besuch im Mai vergangenen Jahres noch einmal auf die Schulter klopfen wird.

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