Schröder trifft Ministerpräsidenten Kasjanow
Deutschland will Russland bei Schuldenabbau helfen

dpa BERLIN. Deutschland will in der Schuldenfrage mit Russland neue Wege einschlagen. Es müsse neue Formen der Zusammenarbeit zwischen der deutschen und der russischen Wirtschaft mit einer "fantasievollen" Behandlung des Schuldenproblems geben, sagte Bundeskanzler Gerhard Schröder am Freitag in Berlin nach einem Treffen mit dem russischen Ministerpräsidenten Michail Kasjanow. Die beiden Politiker hatten sich bei ihrem etwa einstündigen Gespräch ausschließlich über wirtschaftliche Belange unterhalten.

Es solle geprüft werden, ob es Möglichkeiten gebe, aus einem Teil der russischen Schulden eine Beteiligung deutscher Unternehmen an werthaltigen russischen Unternehmen zu machen, für die die deutschen Unternehmen dann an den deutschen Staat zahlen müssten, schlug Schröder vor. Darüber sollten Fachleute beraten. "Ich wünsche mir, dass solche Formen ernsthaft untersucht werden", sagte Schröder.

Kooperation auf dem Energiesektor

Weiteres Thema war die deutsch-russische Zusammenarbeit im Energiesektor. Kasjanow äußerte die Sorge, dass das deutsch-russische Energiegeschäft durch die deutsch-europäische Zusammenarbeit auf diesem Sektor beeinträchtigt werden könnte. Schröder sicherte zu, dass die Kooperation auf dem europäischen Gebiet Ergänzung, aber kein Ersatz sei.

Die deutsche Wirtschaft forderte unterdessen die russische Führung auf, die günstige wirtschaftliche Lage für weitere Strukturreformen zu nutzen. Der Vorsitzende des Ostausschusses der Deutschen Wirtschaft, Klaus Mangold, würdigte die Reformschritte des Landes. "Ich habe den Eindruck, dass die russische Führung an einer schnellen und zügigen Umsetzung der Reformschritte interessiert ist", sagte Mangold der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Reformbedarf bestehe vor allem im Bankenwesen, wenn Russland verstärkte Investitionen aus dem Ausland wolle.

Abbau der Bürokratie in Russland gefordert

Seit dem Treffen Schröders mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin im vergangenen Juni habe sich viel getan. So sei die Hermes- Kreditfinanzierung wieder aufgenommen worden. "Das ist für die deutsche Wirtschaft ein ganz wichtiger Punkt", sagte Mangold, der auch Chef der DaimlerChrysler-Tochter Debis ist. Außerdem komme seit dem Sommer einmal im Monat eine strategische Arbeitsgruppe aus je vier Russen und vier Deutschen zusammen, um über Investitionsprojekte und Strukturreformen zu reden.

Mit Blick auf den von Russland gewünschten Ausbau der Auslandsinvestitionen sprach sich Mangold für einen Abbau der Bürokratie russischer Behörden aus. Mit Kasjanow habe er auch über die Wettbewerbsfähigkeit vor allem der russischen Industrie im Hinblick auf den von Moskau angestrebten Beitritt zur Welthandelsorganisation (WTO) gesprochen, sagte Mangold. Russland sei an einem "dynamischen Prozess" interessiert, aber "Übergangsfristen sind unverzichtbar".

Der Handelsumfang zwischen Russland und Deutschland stieg nach Angaben des Ostausschusses in den ersten acht Monaten dieses Jahres um gut 64 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 25,3 Mrd. DM.

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