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Schröder und Putin sprachen über Neuordnung Afghanistans

Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und der russische Präsident Wladimir Putin haben am Freitag in Moskau über eine politische Neuordnung Afghanistans nach dem erwarteten Sturz der Taliban gesprochen.

dpa MOSKAU. Bei dem nur wenige Stunden dauernden Zwischenstopp informierte Schröder Putin über die Ergebnisse seiner Reise durch Pakistan, Indien und China.

"Wir waren uns einig, dass aus Afghanistan heraus eine möglichst breite Regierung gebildet werden soll unter dem Dach der Vereinten Nationen", sagte Schröder. Er und Putin erklärten, die US-Militäraktion gegen die Taliban sei keineswegs ins Stocken geraten. "Niemand hat einen Parademarsch durch Afghanistan erwartet", erklärte Putin. Die USA hätten ihre Kampagne langfristig angelegt.

Für die beiden Politiker war es das vierte Treffen in diesem Jahr. Der russische Präsident und seine Frau Ljudmila begrüßten den Kanzler und dessen Frau Doris Schröder-Köpf mit Umarmungen und Blumen in einem Regierungsgästehaus nahe dem Flughafen Wnukowo. "Bei mir ist es jetzt halb vier morgens", scherzte der Kanzler über die Zeitverschiebung nach seiner China-Reise.

Schröder und Putin erörterten verschiedene Modelle, in Afghanistan eine neue Staatsführung zu bilden. Eine Überlegung sei, dass alle ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrates und die Anrainerstaaten eine Übergangsregierung unterstützen sollten. Der Kanzler berichtete, dass Indien eine besondere Rolle für die Gruppe der sieben wichtigsten Industriestaaten und Russland (G-8) vorschlage. Frankreich fordere eine Beteiligung der Europäischen Union (EU).

Deutschland habe prinzipiell nichts gegen die Taliban, aber etwas gegen die Terroristen, hieß es aus Schröders Delegation. Russland hatte dagegen in allen Stellungnahmen der letzten Tage klargemacht, dass es eine Beteiligung moderater Taliban-Vertreter nicht akzeptieren werde.

Der Kanzler und der Kremlchef sprachen auch über Fragen der strategischen Sicherheit. Dabei maß Schröder dem bevorstehenden Besuch Putins in den USA "historische Bedeutung" für den Erhalt der Rüstungskontrolle bei. Nach einem Abendessen mit Putin wollte der Kanzler noch in der Nacht zum Samstag zurück nach Deutschland fliegen. Am Wochenende wollte er auch US-Präsident George W. Bush über seine Asienreise informieren.

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