Schröder und Thierse anwesend
Stefan Heym beigesetzt

Eine große Trauergemeinde mit Bundeskanzler Gerhard Schröder und Bundestagspräsident Wolfgang Thierse an der Spitze nahm am Freitag in Berlin in einer bewegenden Trauerfeier Abschied von Stefan Heym.

dpa BERLIN. Der am vergangenen Sonntag im Alter von 88 Jahren in Israel gestorbene Schriftsteller fand seine letzte Ruhe auf dem Jüdischen Friedhof Berlin-Weißensee, wo auch seine Eltern liegen. Es ist die größte jüdische Begräbnisstätte in Deutschland.

Heym fand damit seine letzte Ruhe nicht dort, wo viele seiner prominenten Kollegen beigesetzt wurden, auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin-Mitte, wo unter anderem Bertolt Brecht, Heinrich Mann, Stephan Hermlin und Heiner Müller beigesetzt wurden.

"Er war ein bedeutender Schriftsteller, ein Deutscher, ein Sozialist, ein mutiger Mensch", sagte der PDS-Spitzenpolitiker Gregor Gysi bei der Trauerfeier. Inge Heym, ihr Sohn und andere Familienangehörige empfanden in ihrem Schmerz vermutlich Genugtuung darüber, dass es sich der Kanzler nicht nehmen ließ, unmittelbar vor einer wichtigen Kabinettssitzung über die Entsendung von deutschen Soldaten nach Afghanistan einem bedeutenden deutschen Schriftsteller die letzte Ehre zu erweisen.

Vorgeschriebene Kopfbedeckung

Schröder war sogar überpünktlich erschienen und trug wie alle anderen männlichen Trauergäste die auf jüdischen Friedhöfen vorgeschriebene Kopfbedeckung. Er fror auf dem von Schneegestöber begleiteten letzten Weg Heyms mit den anderen Trauergästen, darunter der Schriftsteller Christoph Hein, Kultursenatorin Adrienne Goehler, der Regisseur Frank Beyer und die Witwe des Schriftstellerkollegen Stephan Hermlin.

Gysi erinnerte an Heyms von Spannungen und Herausforderungen geprägten Lebensweg, seinen Kampf gegen den Nationalsozialismus und seine Heimkehr nach Deutschland. Die DDR sei sein Land geworden. "Er war Sozialist und gerade deshalb auch kritisch gegenüber seinem Land." Dennoch sei er dort am meisten geehrt und auch am meisten gelesen worden. Im vereinten Deutschland sei dieser von Weisheit geprägte Mann für die PDS in den Bundestag eingezogen und dort Alterspräsident gewesen.

"Er machte uns Mut"

Der Religionswissenschaftler Walter Beltz sprach als enger Freund der Familie persönliche Worte des Gedenkens und meinte: "Stefan Heym beteiligte uns an seinen Träumen und machte uns Mut. Und Träume können nicht begraben werden. Schalom Stefan Heym." Beltz hatte Heym unter anderem bei dessen Büchern "Der König-David-Bericht" und "Ahasver" beraten. Der Wissenschaftler nannte Heym einen "faszinierenden homo politicus". Er würdigte auch dessen Frau Inge und meinte an sie gerichtet: "Wir wollen nicht vergessen, wie viel Kraft es Sie gekostet hat, ihm den Rücken freizuhalten für seine Arbeit am Schreibtisch."

Die letzten Worte sprach der Rabbiner, der daran erinnerte, dass Heym einmal selbst gesagt habe, dass er eigentlich ein Jude sei. "Stefan Heym war kein Mitglied unserer Gemeinde, aber er gehörte zu unserem Gott." Die Trauerfeier in der von Blumen und Kränzen gefüllten Halle schloss mit dem Kaddisch, dem jüdischen Totengebet. Kränze hatten unter anderem der israelische Botschafter, der Regierende Bürgermeister, der Bertelsmann Verlag sowie Heyms Schule, das Gymnasium Hohe Straße Chemnitz, niedergelegt oder niederlegen lassen.

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