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Schröder warnt vor Ideologisierung der Arbeitszeit-DebatteDPA-Datum: 2004-07-16 15:38:49

(dpa-AFX) Berlin - Bundeskanzler Gerhard Schröder hat vor einer Ideologisierung des Streits um längere Arbeitszeiten gewarnt. Die Dinge sollten in den Betrieben geregelt werden. An die Adresse der Gewerkschaften sagte Schröder: "Wer in dieser Frage ideologische Gräben aushebt, verunsichert die Menschen und schadet damit der Volkswirtschaft."

(dpa-AFX) Berlin - Bundeskanzler Gerhard Schröder hat vor einer Ideologisierung des Streits um längere Arbeitszeiten gewarnt. Die Dinge sollten in den Betrieben geregelt werden. An die Adresse der Gewerkschaften sagte Schröder: "Wer in dieser Frage ideologische Gräben aushebt, verunsichert die Menschen und schadet damit der Volkswirtschaft."

Der Streit zwischen Gewerkschaften und einzelnen Unternehmen über eine Verlängerung der Arbeitszeit ohne Lohnausgleich weitete sich unterdessen aus. Am Freitag schloss sich der Nutzfahrzeug- und Maschinenbaukonzern MAN < MAN.ETR > den Forderungen an und stieß damit auf Widerstand der IG Metall. Der Autozulieferer Continental < CON.ETR > erwartet inzwischen eine generelle Rückkehr zur 40-Stunden-Woche.

Schröder: ART DER Auseinandersetzung BEI Daimlerchrysler 'Verlust AN Kultur'

Angesichts der Proteste gegen die Sparpläne bei Daimlerchrysler < DCX.ETR > warnte Schröder in der "Financial Times Deutschland" ("FTD"/Freitagausgabe) vor einem neuen Grundsatzkonflikt über die Arbeitszeit. "Ich rate dazu, diese Dinge in den Betrieben zu regeln und möglichst wenig darüber zu reden." Der Kanzler sprach sich für mehr Flexibilität bei der Arbeitszeit in den Unternehmen aus, damit diese auf Marktentwicklungen reagieren könnten. Es sei dabei falsch, nur über die Frage von 35 oder 40 Stunden zu reden.

Ähnlich äußerte er sich im Nachrichtensender N24. Schröder nannte die Art der Auseinandersetzung zwischen Geschäftsführung und Betriebsrat bei Daimlerchrysler ein Beispiel für den "Verlust an Kultur". Öffentliche Beschimpfungen und Erpressungen dürfe es im Streit um die Arbeitszeit nicht geben. Gleichwohl sei es besser, wenn Betriebsrat und Geschäftsführung gemeinsam nach Lösungen suchten. "Ich halte nichts von der ideologisierten Debatte über Arbeitszeit". Das sei alles "Verbandsgegackere". Der stellvertretende Regierungssprecher Hans-Hermann Langguth zeigte sich überzeugt, dass auch bei Daimlerchrysler wie beim Siemens - < SIE.ETR > Konzern jenseits aller "ideologisierender" Äußerungen eine Lösung gefunden werde.

IG Metall Schliesst Längere Arbeitszeiten Ohne Ausgleich BEI MAN AUS

Die IG Metall will längere Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich bei MAN verhindern. "Das schließe ich aus", sagte Bayerns IG-Metall-Chef Werner Neugebauer der dpa in München. Gerade im Druckmaschinenbereich müsse ein Dammbruch verhindert werden, da ansonsten die Konkurrenten ähnliche Lösungen fordern würden. "Dann können Sie den Tarifvertrag wegschmeißen." Die stellvertretende ver.di-Vorsitzende Margret Mönig- Raane wies die Klage über unflexible Arbeitszeiten in Deutschland als "Märchen" ab. "Wir zählen in der EU zu den Ländern mit den flexibelsten Arbeitszeit-Regelungen", sagte sie der "Netzeitung".

MAN-Chef Rudolf Rupprecht sagte dagegen der "FTD": "Wenn sich jetzt die 40-Stunden-Woche langsam wieder durchsetzt, wollen wir lieber vorn dabei sein als hinterherzulaufen". An den MAN-Standorten Augsburg und Offenbach verhandelt die Betriebsführung derzeit mit der IG Metall und den Betriebsräten. "Ob eine Einigung zu Stande kommt, hängt vor allem von den Gewerkschaften ab", sagte Rupprecht. "Die Bereitschaft der Belegschaft zu konstruktiven Vorschlägen wächst." Der MAN-Chef möchte die längere Arbeitszeit im September einführen.

Wirtschaftsweiser Hält Wenig VON Genereller Adollarehnung DER Arbeitszeit

"Conti ist fest davon überzeugt, dass die generelle Rückkehr zur 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich mit flexiblen Öffnungsklauseln auch jenseits der 40-Stunden-Marke nicht mehr so weit weg ist", sagte Konzern-Sprecher Heimo Prokop in Hannover. Bei Continental stünden generell alle Standorte ständig auf dem Prüfstand.

Der "Wirtschaftsweise" Wolfgang Wiegard hielt in der "Berliner Zeitung" (Freitag) "wenig von einer generellen, flächendeckenden Ausdehnung der wöchentlichen Arbeitszeit. Im Deutschlandradio Berlin ergänzte er, längere Arbeitszeiten seien ein Wettbewerbsfaktor, ein möglicher Job-Export werde gebremst. Das führe aber nicht zwangsläufig dazu, dass mehr Arbeitsplätze geschaffen würden.

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