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Schröder will bei Opel nicht eingreifen - Sparplan am Donnerstag

Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) sieht für ein Eingreifen in die Sanierung des Autoherstellers Opel derzeit keine Notwendigkeit. Das Thema sei bei Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) in guten Händen, sagte Vize-Regierungssprecher Hans-Hermann Langguth am Montag in Berlin.

dpa-afx BERLIN/RÜSSELSHEIM. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) sieht für ein Eingreifen in die Sanierung des Autoherstellers Opel derzeit keine Notwendigkeit. Das Thema sei bei Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) in guten Händen, sagte Vize-Regierungssprecher Hans-Hermann Langguth am Montag in Berlin. Die Regierung stehe seit vergangener Woche in "engstem Kontakt" mit dem Management und werde auch vom Betriebsrat über die Situation unterrichtet. Das Ziel sei der Erhalt vor allem des Standortes Rüsselsheim und der Arbeitsplätze.

Der Autokonzern General Motors Co. (GM) könnte bereits an diesem Donnerstag seine Vorschläge für ein drastisches Sparprogramm bei Opel und seinen anderen europäischen Töchtern auf den Tisch legen. Nach einem Bericht der "Financial Times Deutschland" (Montagausgabe) wird das Volumen höher als bei Daimler-Chrysler ausfallen und damit 500 Mill. Euro übertreffen. Spekuliert wird außerdem über die Streichung von 10 000 bis 12 000 Stellen, davon mehrere Tausend bei Opel. General Motors wollte zu den Berichten am Montag keine Stellung nehmen.

Wirtschaftsminister Clement

Wirtschaftsminister Clement kritisierte auf einer Veranstaltung in Mainz die Rettungsrufe in Richtung Regierung: "Wenn es gut geht, werden wir nicht gefragt, sondern nur wenn etwas schief geht", sagte der SPD-Politiker. "Wir stehen selbstverständlich zur Verfügung, alles zu tun, was wir tun können, um den Standort zu sichern. Aber wir können uns nicht an die Stelle des Unternehmens setzen." Auch der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) bezeichnete in Frankfurt die Möglichkeiten der Politik als begrenzt. Die Landesregierung versuche jedoch in Gesprächen, ein Bewusstsein für den aus ihrer Sicht wertvollen Standort Rüsselsheim zu schaffen.

GM legt am Donnerstag um 14.00 Uhr europäischer Zeit in den USA seine Zahlen für das dritte Quartal vor. Branchenbeobachter rechnen damit, dass Finanzvorstand John Devine anschließend in einer Telefonkonferenz auch auf das Sparprogramm eingehen wird. In Unternehmenskreisen hieß es, der Zeitplan sei bisher noch mit einem Fragezeichen versehen. Am Freitag kommt der Aufsichtsrat der Adam Opel AG zu einer außerordentlichen Sitzung zusammen, um über die Lage zu diskutieren.

Deutsche Automarkt IN Zwei Lager Gespalten:

Der deutsche Automarkt ist derzeit in zwei Lager gespalten: Während Hersteller wie BMW (plus 4,8 Prozent) oder Toyota (plus 17,0 Prozent) per September deutliche Zuwächse bei den Neuzulassungen verzeichneten, gingen die Zahlen von Opel (minus 5,6 Prozent) und Volkswagen (minus 2,9 Prozent) nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamts vom Montag im Jahresvergleich zurück. General Motors schreibt mit seinen Töchtern Opel, Saab und Vauxhall seit Jahren hohe Verluste. Opel hatte die Kosten zwar bereits kräftig gesenkt und konnte zuletzt mit dem neuen Astra Erfolge erzielen, allerdings kommen die Umsätze wegen der insgesamt schwachen Nachfrage nicht in Schwung. Hohe Rabatte belasten das Ergebnis.

Derzeit stehen drei Entscheidungen bei Opel ins Haus: Über das Sparprogramm des Mutterkonzerns soll bis Ende November eine Einigung mit den Arbeitnehmervertretern erzielt werden, gleichzeitig verhandelt der Betriebsrat bereits seit längerem über einen "Zukunftsvertrag" für die deutschen Standorte.

Das Management erwägt unter anderem eine Wiedereinführung der 40- Stunden-Woche ohne Lohnausgleich. Zusätzlich soll Anfang kommenden Jahres entschieden werden, ob die künftige Mittelklasse (Opel Vectra, Saab 9-3) im Stammwerk Rüsselsheim oder bei Saab im schwedischen Trollhättan gebaut wird. Eines der Werke - oder ein drittes - könnte demnach vor dem Aus stehen. Opel beschäftigt in Deutschland rund 33 000 Mitarbeiter, davon 20 000 in Rüsselsheim.

Die Arbeitnehmervertreter des kleinsten deutschen Opel-Standorts in Eisenach zeigten sich am Montag optimistisch. "Wir haben substanzielle Vorteile", sagte Betriebsratschef Harald Lieske der dpa. In Eisenach werde zum Beispiel drei Stunden länger gearbeitet als in den Werken in den alten Bundesländern. Nach Angaben des "Spiegel" fallen im GM-Werk Gliwice (Polen) nur 15 Prozent der Lohnkosten in den deutschen Werken Bochum und Rüsselsheim an, in Trollhättan seien es 56 Prozent./

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