Schröder will Entwicklungsländern 500 Mill. Euro für Sonnen- und Windnutzung zur Verfügung stellen
Fünf Minuten für die Probleme der Welt

Auch dem Bundeskanzler gelang es bei seiner Stippvisite in Johannesburg nicht, eine Mehrheit für den letzten strittigen Punkt des Uno-Gipfels herzustellen - über erneuerbare Energie wird weiter debattiert. Gerhard Schröder war dennoch zufrieden. Kurz vor Schluss sei man einen wichtigen Schritt weiter gekommen.

wd/HB JOHANNESBURG. Am Ende hatte sich der Aufwand doch noch gelohnt: Als Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) gestern Morgen beim Uno-Weltgipfel in Johannesburg zum Rednerpult gebeten wurde und kurz auf seinen Auftritt warten musste, erhob sich in der ersten Reihe Nelson Mandela, Afrikas berühmtester Sohn, um den deutschen Kanzler innig zu herzen. Beide hatten sich kurz zuvor am Eingang verpasst.

Knapp 30 Stunden und fast 20 000 Kilometer hatte der Bundeskanzler mitten im Wahlkampf für den Hin- und Rückflug nach Südafrika abgezweigt, um in einer exakt fünfminütigen Ansprache vor den rund 40 000 Delegierten des Weltgipfels die deutsche Position zu Klimaschutz und Armutsbekämpfung zu umreißen.

Kein anderer Staatschef blieb ähnlich kurz in Südafrika. Selbst der britische Premier Tony Blair nutzte seine Visite in der Region zu einem dreitägigen Besuch in Mosambik. Und US-Außenminister Colin Powell, der Präsident Bush vertrat, wird morgen noch nach Angola und Gabun weiterfliegen. Schröder verteidigte seinen Kurzbesuch, er wolle bei den wichtigen Themen - globaler Umweltschutz und weltweite Armutsbekämpfung - Flagge zeigen. Seine Aufgabe sei es nicht, sich in Detailverhandlungen einzuschalten.

In seiner Rede rief Schröder zum entschlossenen Kampf gegen die Umweltzerstörung auf. Die schlimmsten Überschwemmungen in der deutschen Geschichte und die Verwüstung ganzer Landstriche in Asien und Amerika zeigten, dass nun rasches Handeln geboten sei. Den größten Beifall erhielt Schröder, als er an Länder wie die USA und Russland appellierte, so schnell wie möglich das Kyoto-Protokoll zum Klimaschutz zu ratifizieren. Wer sich dagegen sträube, müsse zumindest einen gleichwertigen Beitrag zur Verringerung der Treibhausgase leisten.

USA gegen feste Vereinbarung

Auf Zustimmung stieß auch Schröders Initiative, 500 Mill. Euro zur Förderung erneuerbarer Energien wie Sonne und Wind in den Entwicklungsländern zur Verfügung zu stellen. Daneben lud der Bundeskanzler zu einer internationalen Konferenz für erneuerbare Energien nach Deutschland ein.

Gleichwohl bleibt das Ziel der Bundesregierung, den Anteil erneuerbarer Energien am Gesamtverbrauch bis 2010 auf 15 Prozent zu steigern, auf der Konferenz weiter umstritten. Die USA stemmen sich kategorisch gegen eine solch feste Vereinbarung. Allerdings soll es Bewegung in Wasserfragen geben. Hier geht es darum, die Zahl der Menschen ohne festen Zugang zu sauberem Wasser bis 2015 zu halbieren.

Schröder erteilte auch marktverzerrenden Agrarsubventionen eine deutliche Absage. Allerdings hatten sich Deutschland und die darin von ihm unterstützten Entwicklungsländer in den Marathon-Verhandlungen der letzten Tage nicht mit der Forderung nach einem klar vereinbarten Abbau wettbewerbsverzerrender Subventionen durchsetzen können. Neben den USA sperren sich auch einige EU-Länder wie Frankreich, Spanien und Irland weiterhin gegen die Abschaffung solcher Direkthilfen an ihre Landwirte.

Die mühsam ausgehandelten Formulierungen fließen nun in einen Aktionsplan ein, den die Delegierten zum Gipfelende am Mittwoch verabschieden wollen. Nach dem Aktionsplan soll dann auch noch über eine politische Erklärung des Weltgipfels verhandelt werden. Die Aussichten auf größere Fortschritte sind nach Beobachterangaben jedoch gering. Vor Schröder hatte Uno-Generalsektretär Kofi Annan die Staats- und Regierungschefs vor dem Hintergrund des Klimawandels zur Eile beim Handeln gedrängt: "Wer noch daran erinnert werden muss, was bei einem weiteren Raubbau an unserem Planeten passiert, braucht nur auf die Hilfeschreie der 13 Mill. Hungernden im südlichen Afrika zu hören."

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