Archiv
Schröder will im Bündnis für Arbeit über Überstunden reden

Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) will im Bündnis für Arbeit über den Abbau von Überstunden als ein Mittel zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit reden.

Reuters BERLIN. In einem gemeinsamen Interview der Ludwigshafener "Rheinpfalz" und der "Stuttgarter Zeitung" sagte Schröder, weitere Themen, die er am Sonntag mit Arbeitgebern und Gewerkschaften besprechen wolle, seien die Qualifizierung von Facharbeitern und die betriebliche Altersvorsorge. DGB-Chef Dieter Schulte verlangte erneut verbindliche Zusagen über einen Überstundenabbau um 25 Prozent. Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt wies wies den Vorwurf als heuchlerisch zurück, die Arbeitgeber schafften nicht genügend Stellen.

Schröder sagte, einen Abbau von Überstunden wolle er aber nicht durch Gesetze verordnet sehen. Das müssten die Tarifpartner miteinander verhandeln. "Im Übrigen müssen wir etwas für die Qualifizierung von Facharbeitern tun." Der Mangel sei nicht über Zuwanderung aufzufangen. Zudem wolle er darüber reden, was die Tarifparteien beim Aufbau der zweiten Säule der Rentenversicherung tun könnten. Die Bundesregierung bietet hier über die geplante neue staatlich geförderte private Altersvorsorge auch den Ausbau der betrieblichen oder überbetrieblichen Vorsorge an.

Zur Arbeitsweise im Bündnis sagte Schröder, man müsse stärker als bisher eigene Akzente zu setzen und häufiger "die ausgetretenen Pfade der Fachleutediskussion" zu verlassen. Das Bündnis dürfe sich nicht mehr wie bisher durch die Tagesordnung binden lassen.

Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) forderte in der "Süddeutschen Zeitung" erneut feste Absprachen, ein Viertel der Überstunden, die derzeit mit 1,9 Millionen Stunden auf dem höchsten Stand seit 1991 liegen, in feste Arbeitsplätze umzuwandeln. Angesichts der riesigen Überstundenzahl sei dies "ein echtes Kompromissangebot". Der DGB-Chef warnte davor, das Bündnis mit Tarifrunden zu verwechseln.

Zu dem Wunsch der Arbeitgeber, auch über die von ihnen abgelehnte Ausweitung der betrieblichen Mitbestimmung zu sprechen, sagte Schulte: "Im Bündnis können die Arbeitgeber bei diesem Thema nicht mehr bewegen als die Lippen." Schöder sagte hierzu, mit dem Entwurf, der "im Parlament noch verbessert werden wird", werde die Mitbestimmung verteidigt und den veränderten Gesellschaftsformen angepasst.

Arbeitgeberpräsident Hundt warf Bundesregierung und Gewerkschaften in der Tageszeitung "Die Welt" seinerseits vor, die Schaffung neuer Stellen zu behindern. Die geplante Ausweitung der betrieblichen Mitbestimmung, der Rechtsanspruch auf Teilzeitarbeit und Einschränkungen bei der befristeten Beschäftigung seien Abschreckungsinstrumente für Neueinstellungen, sagte Hundt.

Der Vorsitzende des des Rates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, Juergen Donges, wünschte sich in einem Interview der "Süddeutschen Zeitung", dass sich die Tarifvertragsparteien weiter auf eine moderate Lohnpolitik verständigen. Es würden mehr als fünf Millionen neue Arbeitsplätze benötigt. "Woher sollen die kommen, wenn wir die Arbeit so teuer machen." Der so genannte Wirtschaftsweise forderte Lohnerhöhungen, die unter dem trendmäßigen Produktivitätsanstieg blieben. "Mehr Spielraum gibt es erst wieder, wenn wir runter sind von den hohen Arbeitslosenzahlen."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%