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Schrotthaufen von Hyundai, Nerving bei McPaper

Sommer, das ist eigentlich die Zeit des entspannten Durchslebenschweben. Aber bei diesem miesen Wetter, geht einem nicht nur vieles auf die Nerven - man will auch drüber reden. Und so werden Blogs in diesen Tagen immer mehr zu Verbraucher-Auskotz-Stellen.

Sommer, das ist eigentlich die Zeit des entspannten Durchslebenschweben. Aber bei diesem miesen Wetter, geht einem nicht nur vieles auf die Nerven - man will auch drüber reden. Und so werden Blogs in diesen Tagen immer mehr zu Verbraucher-Auskotz-Stellen.

Vor einiger Zeit schrieb ich über meine Erlebnisse im hiesigen Prada-Ausstellungsraum (verkaufen möchte man ja da anscheinend nicht). Eigentlich eine kleine Sache, könnte man meinen.

Doch googelt man in diesem Moment "Prada" taucht mein Beitrag als Nummer vier bei deutschsprachigen Seiten auf, als Elftplatzierter insgesamt.

Nun ist Prada nicht allein. Immer mehr Blogger, ist mein Gefühl, kotzen sich über ihre Erlebnisse mit Handel und Dienstleistern aus. Da gibt es zum Beispiel die Riesenmaschine, wo die Verkaufsmethoden der Deutschen Post und ihrer Tochter McPaper als "Nerving" in den betriebswirtschaftlichen Sprachschatz eingeritzt werden:

"Eine gleichermaßen naheliegende wie abgeschmackte Variante der Umsatzmaximierung und des Point of Sale-Marketings ist der Manipulationsversuch durch Verkäufer in actu, also direkt während des Kaufaktes, indem der Kauf von weiteren Produkten nahegelegt wird. In Ermangelung eines catchy Labels dafür möchten wir dieses Vorgehen bis auf weiteres unter "Nerving" subsumieren. Zu einer gewissen ragenden Meisterschaft und auch Impertinenz auf diesem Gebiet hat es die Papierwarenkette "Mc Paper" gebracht, wo das Verkaufspersonal in dieser Hinsicht nahezu pawlowsch konditioniert wirkt. So wird nicht nur der Erwerb von Druckerpapier zwangsläufig mit der Frage quittiert, ob man noch eine Druckerpatrone wünsche. Auch völlig erratische Kombinationen werden wie selbstverständlich vorgetragen, etwa ob der Kauf von Hefterlaschen nicht notwendigerweise mit dem eines "wunderschönen Stiftes" einher gehen sollte. Eine Praxis, die in meinem Fall zumindest bewirkt hat, dass ich das Geschäft weiträumig meide."
 

Oder das Lummaland, das den bei Sixt gemieteten Hyundai Sante Fe vernichtet:

"...ist ein Stück Schrott auf Rädern, das Navigationssystem zeigt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ca. 100 m nach einer Kreuzung an, dass ich dort hätte abbiegen müssen und außerdem klingt diese koreanische SUV-Annäherung wie ein altersschwacher Trecker, von der fehlenden Beschleunigung mal ganz abgesehen."

Auch diese beiden hübschen Beschwerden werden wohl bald ordentliche Platzierungen bei Google erreichen. So wird sich der eine oder andere potenzielle Sixt-Kunde sicher fragen, ob er wirklich die X3-Klasse buchen soll - ein Golf ist vielleicht besser als ein Santa Fe ( Kommt eigentlich noch jemand beim Nennen dieses Ortes sofort eine Dampflok in den Kopf? Allein deshalb ist Santa Fe doch kein brauchbarer Name für ein Auto, oder?).

Und was tun die Unternehmen? Nix. Ich zumindest kenne spontan keinen Fall, bei dem ein Unternehmen hier in Deutschland auf böse Worte in Blogs reagiert hätte.

Ich denke, das wird sich rächen: Noch ist die Gemeinde der Blog-Leser relativ klein - doch die Wachstumsraten lassen voraussehen, dass so mancher, der einen Schrotthaufen fuhr, mit einem Wochenende SL-Cruisen entschädigt wird. Verbunden mit dem Versprechen, auch dieses Erlebnis im Blog zu erwähnen, versteht sich. 

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