Schrottreife Großtanker vor Europas Küsten
Laxe Kontrollen halten Seelenverkäufer in Fahrt

Die Havarie des Großtankers "Prestige" vor der spanischen Küste hat die europäischen Schiffskontrollen erneut ins Gerede gebracht. Längst haben die 15 EU-Staaten weit reichende Beschlüsse gefasst, um schrottreife Seelenverkäufer für immer vor Anker zu legen.

HB/dpa BRÜSSEL. "Was wir gemacht haben, ist revolutionär", sagt ein Sprecher der zuständigen EU-Verkehrskommissarin Loyola de Palacio in Brüssel. Aber auch die strengeren Vorschriften, die nach dem spektakulären Untergang der "Erika" vor drei Jahren verabschiedet wurden, haben die jüngste Katastrophe nicht verhindert.

Hinter vorgehaltender Hand erläutern Fachleute der EU-Kommission auch, warum dies so ist. "Es ist eine Frage des Verhaltens der Mitgliedstaaten", heißt es in der Brüsseler Behörde. Schon heute müsse jedes vierte Schiff, das einen EU-Hafen anläuft, dort überprüft werden. Das besondere Augenmerk der Kontrolleure soll dabei alten Schiffen mit gefährlicher Ladung gelten. Aber die Kultur der Sicherheit sei im Seeverkehr noch wenig ausgeprägt: "Die Laxheit stammt aus der Zeit, als noch nicht so viele so große Schiffe mit so gefährlicher Ladung unterwegs waren", sagt ein Kenner der Materie.

Im konkreten Fall der "Prestige" hat die EU-Kommission speziell die britischen und griechischen Behörden um Informationen gebeten, berichtete Kommissionssprecher Gilles Gantelet am Dienstag. Auf seinem Hinweg ins Baltikum soll das Schiff im griechischen Hafen Kalamata und vor Gibraltar Halt gemacht haben. Aus der Kommission dringen harte Töne: "Wir werden es nicht akzeptieren, wenn die britischen Behörden sagen: Wir konnten das Schiff nicht kontrollieren, weil es nur zur Verproviantierung vor dem Hafen von Gibraltar geankert hat und dort nicht wirklich eingelaufen ist."

"Was würden die Briten denn sagen, wenn das Unglück vor ihrer eigenen Küste passiert wäre?", fragt man in Brüssel. Tatsächlich hätte die Katastrophe eine Reihe von EU-Staaten treffen können: Auf ihrer letzten Fahrt hatte die "Prestige" bereits die schwedische, dänische, deutsche, niederländische, belgische, englische und französische Küste passiert, ehe sie vor den Gestaden Galiziens in Seenot geriet und auseinander brach. Noch im Sommer hatte die EU-Kommission übrigens Irland und Frankreich aufgefordert, es mit den Schiffskontrollen in ihren Häfen endlich genauer zu nehmen.

Angesichts mangelhafter Kontrollen können sich die Europäer auch nicht damit herausreden, dass die "Prestige" unter der Flagge der Bahamas unterwegs war. "Bahamas ist eine Billigflagge, aber es ist nicht die schlimmste", sagte Kommissionssprecher Gantelet. Seine Kommissarin de Palacio, eine Spanierin, appellierte am Dienstag erneut an alle EU-Staaten, die einschlägigen EU-Vorgaben rasch und umfassend anzuwenden. "Das Schlimmste wäre eine bürokratische Umsetzung der Sicherheitsvorschriften", betonte ihr Sprecher.

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