Schrumpfendes Netzwerkgeschäft trübt gute Bilanzzahlen
Nokia stimmt freundlichere Töne an

Der finnische Telekommunikationskonzern Nokia sorgt für Erleichterung bei Analysten und Anlegern: Ein etwas höherer Gewinn als erwartet und positive Zukunftssignale schürten die Hoffnung auf bessere Zeiten für die angeschlagene Branche. Nokia profitiert vor allem von dem hohen Anteil der Handy-Produktion am Gesamtgeschäft.

HB STOCKHOLM. Als der finnische Telekommunikationskonzern Nokia Corp. am Freitag seine Quartalszahlen präsentierte, schoss der Aktienkurs des weltgrößten Handy-Herstellers um 5 % nach oben. Die Gründe: Das Ergebnis fiel besser als erwartet aus, und die Zukunft sieht Konzernchef Jorma Ollila überraschend positiv. Schlechter bewerteten die Investoren dagegen den schwedischen Konkurrenten L.M. Ericsson Telephone Co., der am kommenden Freitag sein Quartalsergebnis präsentiert - der Kurs gab in Stockholm um 6 % nach.

Das Glück der Finnen: Nokia macht mittlerweile gut drei Viertel seines Umsatzes mit Handys und ist deshalb nicht so stark von den drastisch zurückgefahrenen Investitionen in neue Mobilfunk-Netze abhängig. Und Nokia-Chef Ollila versuchte, die nach den Terrorangriffen in den USA verunsicherten Analysten und Investoren mit der Botschaft zu beruhigen, sein Konzern werde im kommenden Jahr um 20 bis 35 % wachsen. Bisher hatten viele Branchenkenner eine solche Zahl für utopisch gehalten. Aber Ollila scheint die Zweifler überzeugt zu haben - das zumindest signalisiert der steigende Aktienkurs. Bereits für das vierte Quartal rechnet der Nokia-Chef mit einem Umsatzwachstum um ein Fünftel; und er prognostizierte er einen Gewinn je Aktie von 0,18 bis 0,20 €, nach 0,16 € im dritten Quartal.

Marktanteil bei Handys soll auf 40 % wachsen

Nokia strebt langfristig einen Weltmarktanteil bei Handys von 40 % an. Zwar ist der Wert im dritten Quartal leicht von gut 35 % auf 34,8 % gesunken, doch der Abstand zur Konkurrenz ist weiterhin beruhigend: Die Motorola Inc. kommt als Nummer zwei auf 14,8 %, Ericsson auf 8,3 % und die Siemens AG auf 7,9 %. Schon im vierten Quartal dieses Jahres werde man den Marktanteil wieder erhöhen können, sagte Ollila.

In den Ohren der Analysten, die sich schon vor den Terrorangriffen wegen der Konjunkturflaute und der hohen Verschuldung vieler Telekomkonzerne ernste Sorgen um den Zustand der Telekommunikationsbranche weltweit gemacht hatten, klang das wie Musik. Und der Nokia-Chef konnte noch bessere Töne anstimmen: "Wir gewinnen Marktanteile, wir kaufen sie nicht", sagte er - ein Seitenhieb auf Ericsson, Motorola und Siemens, die nach Meinung der Finnen ihre Marktanteile nur über stark rabattierte Produkte halten können.

Dass das bei Nokia nicht der Fall ist, belegen die Gewinnmargen bei den Handys: Die Finnen konnten in einer Zeit, in der viele Handy-Hersteller mit roten Zahlen kämpfen, 19 % vorweisen - Analysten hatten mit 17 % gerechnet. "Wirklich imponierend", kommentierte Håkan Wranne, Analyst bei Fischer Partners in Stockholm.

Doch nicht alles, was die Finnen präsentieren, ließ die Sorgen über den Zustand der Telekombranche verfliegen. Lieferantenkredite an die türkische Telsim und die britische Dolphin in Höhe von 714 Mill. €, die Nokia bislang nicht zurückbekommen hat, trüben das Bild. Außerdem wird der Netzwerkbereich nach Aussagen des Nokia-Managements im vierten Quartal noch einmal um ein Fünftel gegenüber dem Vorjahresquartal schrumpfen - nach einem 14 %-igen Umsatzrückgang im dritten Quartal. Als Grund für den Rückgang in diesem Segment nennt Nokia die zögerliche Investitionsbereitschaft vieler, vor allem europäischer, Telekomkonzerne.

Für den schwedischen Konkurrenten Ericsson, der rund 80 % seines Umsatzes mit Netzwerken macht, kann das einen weiteren Rückschlag bedeuten. Ein Hoffnungsschimmer ist allenfalls, dass die Schweden nur 30 % (Nokia: 60 %) ihres Netzwerkumsatzes in Europa machen, der Rest verteilt sich auf die Wachstumsmärkte Nordamerika, China und Japan.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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