Schüchtern und verschlossen: Neues Geständnis im Metzler-Mordprozess

Schüchtern und verschlossen
Neues Geständnis im Metzler-Mordprozess

Im Prozess um die Entführung und den Tod des Bankierssohns Jakob von Metzler hat sich der Angeklagte Magnus Gäfgen am zweiten Verhandlungstag als unsicheren Menschen beschrieben, der Gewalt ablehne.

Reuters FRANKFURT. "Ich bin kein aggressiver oder gewalttätiger Mensch. Ich verachte jede Form von Gewalt", antwortete Gäfgen am Freitag vor dem Frankfurter Landgericht auf die Frage des Vorsitzenden Richters Hans Bachl, warum er den Wehrdienst verweigert habe. Zugleich sei er "immer zu brav, zu ruhig, zu schüchtern" gewesen und habe nie das Gefühl gehabt, beliebt zu sein. "Ich war immer ein Mitläufer, der versucht hat, sich zu integrieren und anzupassen", sagte Gäfgen, der am Freitag 28 Jahre alt wurde. Für den Verlauf des Tages hatte er ein umfassendes Geständnis angekündigt.

Die Staatsanwaltschaft wirft Gäfgen vor, den Sohn der Frankfurter Bankiersfamilie von Metzler am 27. September 2002 auf dem Heimweg von der Schule entführt und dann ermordet zu haben. Anschließend habe er versucht, eine Million Euro von den Eltern des Jungen zu erpressen. Als Motiv vermutet die Staatsanwaltschaft Habgier.

Gäfgen sagte, sein Vater, ein ehemaliger Bauingenieur, sei ein sehr sparsamer Mensch. Er habe stets weniger Taschengeld als seine Freunde bekommen, sei nur selten ins Kino gegangen, habe sich keine Markenkleidung leisten können und im Schwimmbad sein Essen selbst mitbringen müssen, statt es am Kiosk zu kaufen. Eine Freundin habe er lange nicht gehabt. Er habe selbstbewusste Frauen bewundert, die ihm aber unerreichbar erschienen seien. Er selbst habe sich als "blässlichen, schüchternen, vielleicht verklemmten Jungen" wahrgenommen.

Am ersten Verhandlungstag hatte das Gericht sämtliche Geständnisse Gäfgens für nichtig erklärt, weil die Polizei den Tatverdächtigen in der ersten Vernehmung mit Gewaltdrohungen unter Druck gesetzt hatte. Eine Einstellung des Prozesses allerdings lehnte das Gericht ab, weil die Pflicht des Staates zur Verfolgung eines schweren Verbrechens wie Mord schwerer wiege als Verfehlungen einzelner Polizisten. Gegen den stellvertretenden Frankfurter Polizeipräsidenten Wolfgang Daschner und einen Kriminalbeamten läuft ein gesondertes Ermittlungsverfahren.

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