Schüler sind dagegen
Schule verbietet zu viel Haut

Wer mit bauchfreiem T-Shirt oder superkurzem Minirock zum Unterricht kommt, kann an einer Gesamtschule in Sehnde bei Hannover zum Umziehen nach Hause geschickt werden. Zunächst werde allerdings mit den Betroffenen geredet, sagte Schulleiterin Helga Akkermann am Montag der dpa. Akkermann hatte sich Anfang Juni in einem Schreiben an Schüler und Eltern für eine "angemessene Kleidung" ausgesprochen. Die meisten Schüler sind dagegen.

HB/dpa HANNOVER. Bei Schulleitern verschiedener Schulen in Hannover, beim Landeselternrat und im Kultusministerium ist eine Kleidervorschrift kein Thema. "Was Schüler anziehen, ist eine persönliche Angelegenheit", meinte der Sprecher des Kultusministeriums, Jörg Weßling. "Eingegriffen werden kann nur, wenn es zu erheblichen Beeinträchtigungen im Unterricht kommt."

Die Schulleiterin an der Gesamtschule in Sehnde sieht den Unterricht beeinträchtigt. "Wir haben einen erzieherischen Auftrag. Man kann in der Schule nicht alles tun, was man sonst darf", sagte Akkermann. Das bedeute nicht, "dass man ins Mittelalter zurück fällt." Sie stehe aber dazu. "Man muss als Erwachsener auch mal den Mut haben, ein klares Wort zu sagen. Das würde ich immer wieder tun."

Die meisten Schüler hielten von der Kleiderordnung "gar nichts", berichtet die 15-jährige Vanessa. "Sollen wir alle im Rollkragenpullover dasitzen", fragt sie kopfschüttelnd. Auch der 17 Jahre alte Ogur hat kein Verständnis. "Die machen zu viel Aufwand. Das hat keinen Sinn", meint der Hauptschüler.

"Bei uns ist eine Kleidervorschrift kein Thema, es ist auszuhalten", berichtete Karin Neugebauer, stellvertretende Schulleiterin des Gymnasiums Sophienschule in Hannover. "Wenn uns jemand auffällt, nehmen wir ihn zur Seite," sagte der Leiter der hannoverschen Realschule Badenstedt, Michael Sudhoff. "Wir haben andere Themen, die uns viel mehr beschäftigen", betonte der Leiter der IGS Linden, Walter Christoph.

"Kein Thema" ist eine Kleiderordnung für den Vorsitzenden des Landeselternrates, Hans-Jürgen Vogel. Das Schreiben an die Eltern und Schüler in Sehnde ist nach Angaben des Ministeriums rechtlich gesehen ohnehin zunächst nur ein Appell. Für die Änderung der Schulordnung muss es einen Beschluss der Gesamtkonferenz geben.

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