Schüler und Eltern lehnen Mahnmal ab
Vorerst kein Unterricht im Gutenberg-Gymnasium

Im Erfurter Gutenberg-Gymnasium wird nach dem Amoklauf vom Freitag vorerst kein Schulunterricht stattfinden. Die Errichtung eines Mahnmals lehnen Schüler und Eltern allerdings ab, da die Schule sonst nie wieder zur Normalität zurückkehren werde, wie am Sonntag auf einer Pressekonferenz mitgeteilt wurde.

Reuters ERFURT. In der kommenden Woche würden die Schüler zunächst in ihren Klassenverbänden in anderen Schulräumen der Stadt betreut werden, kündigte Oberbürgermeister Manfred Ruge (CDU) vor den Journalisten im Erfurter Rathaus an. Was die Abiturienten angehe, bestehe keine Möglichkeit, ihnen das Reifezeugnis ohne Prüfung zu verleihen, sagte der thüringische Kultusminister Michael Krapp (CDU). Man werde allerdings flexibel sein und die Prüfungstermine verschieben. Das Schulamt sei bereits dabei, neue Lehrer für das Gutenberg-Gymnasium zu finden.

Ein ehemaliger Schüler hatte am Freitag bei einem gut viertelstündigen Amoklauf 16 Menschen erschossen und anschließend Selbstmord begangen. Er war aktiver Sportschütze und verfügte über die erforderlichen Erlaubniskarten für die beiden Waffen, die er bei der Tat dabei hatte.

Schülersprecherin Michaela Seidel wandte sich nach einer Schulversammlung am Morgen gegen die Errichtung eines Mahnmals vor dem Gutenberg-Gymnasium. "Diese Schule hat Lehrer gehabt, die uns mit unseren Eltern zu den Menschen gemacht haben, die wir sind. Sie soll Menschen wieder ins Leben führen. Irgendwann wird dort hoffentlich wieder ein normaler Unterricht möglich sein", sagte die Abiturientin, die das Gymnasium wenige Minuten vor dem Amoklauf verlassen hatte.

Gegen den 19-jährigen Täter fühle sie keinen Hass, aber auch kein Mitgefühl. "Das ist das, was er verdient hat. Hass oder Mitgefühl wären für ihn noch eine Genugtuung", sagte Seidel. "Er war ein kranker Mensch, was offenbar keiner gesehen hat. Ich möchte keine Gefühle gegen ihn hegen."

Ein Vater mit Erfahrung in psychologischer Betreuung nannte den Amokschützen eindeutig schizophren. Er habe sich offenbar abgelehnt gefühlt und sei von dort über Bitterkeit zur Rebellion gelangt. Dies seien klare Zeichen für eine Schizophrenie.

Schülersprecherin Seidel sprach sich außerdem gegen überzogene Sicherheitsmaßnahmen für Schulen aus. "Eine Schule ist eine Schule. Ein Gefängnis ist ein Gefängnis. Man kann nicht beides kombinieren." Auch der thüringische Ministerpräsident Bernhard Vogel (CDU) hatte zuvor erklärt, es habe keinen Sinn, aus Schulen Festungen zu machen.

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