Schüsse in Bethlehem
Israel will Offensive fortsetzen

Israel bleibt im Konflikt mit den Palästinensern trotz eines Vermittlungsversuches der Europäischen Union (EU) hart. Die Offensive in den Palästinensergebieten gehe weiter, um den "Terror" auszumerzen, sagte Ministerpräsident Ariel Scharon am Donnerstag.

Reuters SAFED. Das Kabinett beschloss nach seinen Worten, dass Palästinenser-Präsident Jassir Arafat in Ramallah bleibe und weiterhin "isoliert" werde. In Bethlehem waren am Mittag bei der Geburtskirche Schüsse und Explosionen zu hören. Ein Mönch des dazugehörigen Klosters berichtete dem italienischen Fernsehen, israelische Soldaten seien in die Kirche eingedrungen, in der sich etwa 200 teils bewaffnete Palästinenser aufhielten. Die israelische Armee dementierte aber, die Kirche am überlieferten Geburtsort Jesu stürmen zu wollen.

Scharon äußerte sich bei einem Besuch der Kommandozentrale des Wehrbereiches Nord in Safed zu den Beschlüssen, die das Kabinett am späten Mittwochabend gefasst hatte. Die israelische Armee werde die Operationen in den palästinensisch verwalteten Teilen der besetzten Gebiete fortsetzen, um den "Terror" auszumerzen. "Wir machen weiter, weil das die einzige Möglichkeit ist, eine Lage zu schaffen, in der wir über Frieden diskutieren können." Scharon sagte weiter, ohne "eine vollständige Beendigung des Terrors, der Feindseligkeiten und der Hetze" werde es keine Friedensverhandlungen geben.

Scharon: Arafat bleibt isoliert

Zu Spekulationen, er wolle Arafat ins Exil schicken, sagte der Ministerpräsident: "Die Entscheidung lautet, dass er bleibt, wo er ist, und dass er dort isoliert wird." Scharons Aussagen schienen eine Begegnung Arafats mit einer am Donnerstag nach Israel gereisten EU-Delegation auszuschließen. Spaniens Außenminister Josep Pique und der außenpolitische Koordinator der EU, Javier Solana, wollten dabei mit beiden Seiten über Möglichkeiten einer Waffenruhe und eines Abzuges der israelischen Truppen reden. Arafat lebt seit Ostern von der Außenwelt abgeschnitten in seinem Amtssitz in Ramallah.

Als Reaktion auf einen Selbstmordanschlag in Israel zu Beginn des Passah-Festes ist die Armee inzwischen wieder in fast alle Städte im Westjordanland eingerückt, die nach einem Abkommen von 1994 Selbstverwaltung haben. In der Nacht rückte die israelische Armee mit Panzern in Nablus ein, der mit 180 000 Bewohnern größten Stadt des Westjordanlandes. Drei in der Nähe liegende Flüchtlingslager wurden umzingelt. Auch in der Stadt Dschenin gab es weitere Gefechte. Mehrere Menschen wurden getötet, darunter auch ein 13-jähriger Junge.

Mönch: Soldaten schlagen Tür der Gebetskirche ein

In Bethlehem herrschte gespenstische Ruhe, bis gegen Mittag drei laute Explosionen und Schüsse aus Maschinenwaffen zu hören waren. Der Küster der Geburtskirche, Pater Ibrahim Faltas, berichtete dem italienische Fernsehsender RAI, israelische Soldaten hätten eine Tür eingeschlagen und seien eingedrungen. Die Palästinenser seien in das Kloster zurückgewichen. Es werde gekämpft. Abt Johannes Simon bestätigte Reuters, die Palästinenser seien mit ihren Waffen in den Konvent des Klosters eingedrungen. "Wir sind in einer äußerst gefährlichen Situation", sagte er, bevor er das Telefonat abrupt beendete.

Einer der Palästinenser in der Kirche am überlieferten Geburtsort Jesu Christi berichtete gleich nach den Detonationen und Schüssen, israelische Soldaten feuerten auf die Hintertür der Basilika. Die Armee dementierte aber, die Kirche stürmen zu wollen, obwohl sie dort "bewaffnete Terroristen" vermutet. Sie habe weder mit den Schüssen noch den Detonationen etwas zu tun, "noch stürmen wir die Kirche".

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